Bei Spielekonsolen funktioniert es bereits, in naher Zukunft könnten auch Autofahrer bestimmte Funktionen im Pkw mit Gesten steuern. Mehrere Unternehmen forschen bereits daran. Allerdings zeichnet sich ab: Komplett wird ein Fahrzeug wohl nie allein mit Ersatzbewegungen kontrolliert werden können.

Ein Wisch, und die Lüftung schaltet eine Stufe höher. Ein Augenzwinkern, und der Radiosender wechselt. So oder so ähnlich stellen sich Entwickler die Zukunft des Autofahrens vor. Wir sagen Ihnen, wie weit die Forschung bereits ist und wo es möglicherweise die größten Probleme geben könnte.

Global Player arbeiten an der Gestensteuerung

Dass Gestensteuerung im Auto ein ernstes Thema ist, lässt sich daran erkennen, dass sich damit nicht irgendwelche No-Names der Branche beschäftigen, sondern echte Global Player. Continental, Valeo, Bosch, Google, Microsoft und Apple haben ihre Forschungsabteilungen darauf angesetzt und zum Teil sogar Firmen gekauft, die sich auf diese Technik spezialisiert haben. Toyota hat mit der Studie FV2 bereits 2013 ein Fahrzeug vorgestellt, das sich komplett mit Körperverlagerungen steuern lässt.

Manche Funktionen sind bereits verfügbar

Auch bei bereits erhältlichen Autos kommt die Steuerung mit Gesten schon zum Einsatz. Bei verschiedenen Modellen von BMW und Ford lässt sich zum Beispiel der Kofferraum mit einer Bewegung des Fußes unter der Stoßstange öffnen. Das soll freilich erst der Anfang sein. Google hat sich eine Technik patentieren lassen, mit der sich das Radio mit einem Fingerzeig verstellen lässt und die Fensterscheibe nach einer Handbewegung herunter- oder wieder heraufgefahren wird. Dazu hat der Suchmaschinenriese eigens das Unternehmen Flutter gekauft, das sich auf die Gestensteuerung von Computerprogrammen spezialisiert hat.

Weniger Ablenkung

Der Vorteil der Gestensteuerung zur herkömmlichen Bedienung des Autos oder einzelner Elemente liegt darin, dass der Fahrer weniger abgelenkt ist. Der ADAC schätzt, dass etwa jeder achte Unfall in Deutschland ausgelöst wird, weil der Fahrer das Radio oder das Navi bedient. Dabei ist es schwierig, sich auf die Straße zu konzentrieren. Für eine Handbewegung ist es dagegen nicht nötig, den Blick vom Verkehrsgeschehen zu wenden. Diese kann auch in noch so stressigen Situationen ausgeführt werden.

Das Auto wird zur Überwachungszone

Allerdings gibt es auch Nachteile der Gestensteuerung. Der erste ist die komplette Überwachung des Fahrzeuginnenraums. Um die Gesten des Fahrers zu erkennen, müssen verschiedene Kameras und Sensoren im Auto angebracht werden. Datenschützer befürchten, dass die Kameras Aufzeichnungen erstellen. Ein tiefer Eingriff in die Privatsphäre.

Das nächste Problem ist die Empfindlichkeit der Sensoren. Sie müssen erkennen, ob der Fahrer mit seiner Handbewegung tatsächlich beispielsweise den Scheibenwischer aktivieren will oder ob er nur eine Fliege verjagt. Deshalb wird es wohl auch nicht möglich, dass wichtige Fahrfunktionen wie beschleunigen oder lenken per Gesten kontrolliert werden. Sollte es dann nämlich zu einer falschen Interpretation der Sensoren kommen, könnte das fatale Folgen haben.

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