In seiner Klasse kommt es eben doch auf die Größe an. Wer sich wie der VW Golf Variant Kompakt-Kombi nennt, der soll vor allem eins: viel Platz bieten. Dabei sollten die Außenmaße dennoch so bescheiden bleiben, dass man auch den regen Stadtverkehr samt Parkplatzsuche nicht scheuen muss. Wie dem Wolfsburger Pragmatiker dies gelingt, klärt der Test.

Der VW Golf ist der unangefochtene Bestseller in seiner Klasse - das steht außer Frage. Doch der Kombi-Ableger Variant erschien Generation für Generation aufs Neue wie das nicht ganz so geliebte Stiefkind des Herstellers. Man wollte einen Kombi anbieten und schusterte notgedrungen etwas mehr Heck an den Kompaktwagen mit Schrägheck - so zumindest der Eindruck, den die letzten Generationen des VW Golf Variant hinterließen. Mit der neuen Generation, die seit September 2013 bei den Händlern steht, soll sich dies allerdings ändern.

Endlich wie aus einem Guss

Der erste Eindruck vom Testwagen: Hier steckt endlich mehr Herzblut drin als in seinen recht lieblosen Vorgängern. Zugegeben - mit den dynamischen Lifestyle-Kombis à la BMW 3er Touring oder Audi A3 Sportsback kann der Wolfsburger designtechnisch nicht mithalten. Aber die genannten spielen nicht zuletzt preistechnisch in einer ganz anderen Liga.

Zumindest wirkt der neue VW Golf Variant endlich wie aus einem Guss. Die C-Säulen des Schrägheckmodells finden sich beim Kombi als D-Säulen wieder. Das Heck wirkt dank der geteilten Rückleuchten viel breiter und das tiefergelegte Dach sorgt für eine dynamischere Silhouette. Platzeinbußen muss man aber nicht hinnehmen.

Paradedisziplin: Gepäck schlucken

In der Länge ist der VW Golf 7 um insgesamt 31 Zentimeter gewachsen, bevor er sich Variant nennen durfte. Das hat zur Folge, dass der Kombi satte 225 Liter mehr Stauraum zu bieten hat als das Schrägheckmodell. Im Vergleich zum Vorgänger hat der Kofferraum um stolze 100 Liter zugelegt. Maximal bietet der getestete VW Golf Variant 1.620 Liter Stauraum und kann damit fast eine Klasse höher mitspielen. Da sehen selbst die härtesten Konkurrenten wie der Opel Astra Sports Tourer oder der Ford Focus Turnier kein Land mehr.

Praktisch ist zudem die Funktion, die Rückbank per einfachem Fingerzug vom Kofferraum aus umzulegen. Dann entsteht eine nahezu ebene Ladefläche und man hat sogar die Möglichkeit, den Ladeboden in der Höhe zu verstellen oder als Raumteiler zu nutzen.

1,6-Liter-Turbodiesel mit 110 PS im Test

Nicht gerade sportlich, aber passend zum praktisch veranlagten Kombifahrer ist der VW Golf Variant 1.6 TDI BlueMotion. Das Aggregat mit doppelter Abgasrückführung wie im VW Golf GTD leistet 110 PS und ist auf Sparsamkeit getrimmt. Das maximale Drehmoment von 250 Nm liegt bereits ab 1.500 Touren an - das hilft dabei, sparsam unterwegs zu sein, ohne Einbußen bei der Durchzugskraft hinnehmen zu müssen. Wer den Turbodiesel höher drehen lässt, der kann auch mit dem Kompakt-Kombi seinen Spaß haben. Allerdings rückt dann der Normverbrauch von 3,9 Litern Diesel pro 100 Kilometer in weitere Ferne.

Mit einem Einstiegspreis von 18.950 Euro ist der VW Golf Variant rund 900 Euro teurer als der Fünftürer mit Schrägheck. Der getestete Turbodiesel beginnt preislich bei 21.900 Euro. Wie zu erwarten, erhält man dafür ein grundsolides, praktisches, aber wenig emotionales Auto.

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