Bereits seit mehr als zehn Jahren ist das Telefonieren mit dem Handy während des Autofahrens in Deutschland verboten. Auch in anderen Ländern gibt es entsprechende Regelungen. Zu mehr Verkehrssicherheit scheint das aber nicht zu führen. Das haben mehrere US-Studien jetzt herausgefunden.

Das Handy-Verbot während der Autofahrt sollte eigentlich dazu dienen, die Unfallzahlen zu senken. Es galt als sicher, dass Autofahrer vom Telefonieren mit dem Handy in der Hand zu sehr vom eigentlichen Verkehrsgeschehen abgelenkt werden. Ein Irrglaube, wie sich jetzt zu erweisen scheint. In der wissenschaftlichen Veröffentlichung "Transportation Research Part A: Policy and Practice" ist eine Studie erschienen, die sich mit den Verkehrsunfällen vor und nach dem Handy-Verbot im US-Bundesstaat Kalifornien befasst hat. Über einen sechsmonatigen Zeitraum sank die Zahl der Verkehrsunfälle auf den Straßen Kaliforniens von durchschnittlich 66,7 auf 65,2 pro Tag nur minimal.

Fahrer werden nicht nur von Handys abgelenkt

"Wir haben uns erhofft, zu einer eindeutigen Erkenntnis zu gelangen", sagte Daniel Kaffine, einer der Autoren der Studie, dem US-Portal "Autoblog". "Aber nach der Auswertung der Zahlen war klar, dass kaum eine Veränderung bei den Unfallzahlen zu erkennen war", erklärte der Wissenschaftler der Universität Boulder in Colorado weiter. Auch eine Untersuchung des Highway Loss Data Institute zwischen den Jahren 2009 und 2010 zeigte, dass neu eingeführte Handy-Verbote nicht zur Reduzierung der Verkehrsunfälle beigetragen hätten.

Russ Rader vom Insurance Institute for Highway Safety, einer Non-Profit-Organisation der US-Autoversicherer, geht davon aus, dass sich Autofahrer nicht allein vom Handy ablenken lassen. Er sagte "Autoblog": "Handys am Steuer sind zum Synonym für Ablenkung des Fahrers geworden. Doch die Ablenkung der Fahrer gab es schon lange vor dem Handy."

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