Um auf die Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr hinzuweisen, hat der Bundestag zum Live-Chat geladen und mit Usern einen angeregten Austausch geführt.

Gestern Abend hatten die Abgeordneten des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur mit interessierten Nutzern über die Gefahren diskutiert, die in der heutigen Zeit durch immer mehr Ablenkung im Straßenverkehr entstehen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2012 geht jeder zehnte Verkehrsunfall auf Ablenkung und Unaufmerksamkeit zurück. Darunter fallen unter anderem die vermehrte Nutzung von Smartphones und Navigationsgeräten, zu laute Musik und das Telefonieren - das gilt sowohl für Auto- als auch für Radfahrer und Fußgänger.

Frühzeitige Prävention kann helfen

Viele Verkehrsteilnehmer und vor allem Autofahrer unterschätzen nach wie vor die Risiken im Straßenverkehr, die durch zu viel Ablenkung entstehen können. Da es bisher keine Statistiken zu Unfallzahlen gibt, die auf die Handynutzung am Steuer zurückzuführen sind, forderte beispielsweise der Grünen-Politiker Stephan Kühn, dass hier dringend "eine aussagekräftige Datenbasis" vorgelegt werden müsse. Darüber hinaus sollte bereits in Schulen auf die Gefahren durch das Telefonieren am Steuer hingewiesen werden. Das gilt auch für die Führerscheinausbildung als solche.

Birgit Kömpel (SPD) wies in diesem Rahmen daraufhin, dass die Zahl an Unfällen mit ungeklärter Unfallursache von 2008 bis 2013 um 56 Prozent angestiegen ist. Darunter wurden auch die Kategorien "Unaufmerksamkeit" und "Ablenkung" fallen.

Uneinigkeit beim autonomen Fahren

Inwieweit das autonome Fahren in Zukunft den Verkehr verändern wird, darüber waren sich die Beteiligten uneinig. Während Gero Storjohann (CDU/CSU) davon ausgeht, dass die Systeme frühestens in 25 Jahren kommen werden, sieht Thomas Lutze (DIE LINKE) bereits in fünf Jahren die Chance, dass autonome Fahrzeuge auf deutschen Straßen eigenständig unterwegs sind.

Stephan Kühn (Bündnis90/Die Grünen) wies allerdings daraufhin, dass dafür zunächst einmal eine Gesetzesänderung vorgenommen werden müsse. Derzeit sind laut dem Wiener Übereinkommen nur Assistenzsysteme zugelassen, die der Fahrer jederzeit abschalten und überstimmen kann.

Moderne Assistenzsysteme helfen schon

Einig sind sich alle Beteiligten in dem Punkt, dass moderne Fahrsicherheitssysteme wie Notbremsassistent, Abstandwarner oder Spurwechselassistent in Zukunft einen entscheidenden Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten werden.

An der Diskussionsrunde haben die Abgeordneten Stephan Kühn (Bündnis90/Die Grünen), Thomas Lutze (DIE LINKE), Birgit Kömpel (SPD) und Gero Storjohann (CDU/CSU) teilgenommen.

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