Besonders lange Lkw, sogenannte Gigaliner, sollen in den nächsten Jahren zunehmend auf Europas Straßen rollen. Eine neue Studie zeigt jetzt die möglichen Konsequenzen und negativen Auswirkungen der Superlaster.

Eine neue Studie im Auftrag des Verbands Allianz pro Schiene zur Zukunft der Gigaliner, also Lkw mit einer Länge von bis zu 25 Metern, gibt vielen Verkehrsexperten Grund zur Sorge. Noch fahren die extrem langen Laster überwiegend in abgelegenen Regionen Europas mit großen Straßen und wenig Verkehr. Bald schon könnte eine offizielle Zulassung aber auch für einen Großteil der Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen in Deutschland und weiteren Teilen Europas folgen. Bekommen die Gigaliner freie Fahrt, könnte laut der neuen Studie die Verkehrsbelastung um über 7.000 Lkw-Fahrten pro Tag zunehmen. Eine Zusatzbelastung, die nicht zu unterschätzen ist.

Was hat es mit den Gigalinern auf sich?

Die Nachfrage nach den Gigalinern ist schon heute groß. Geben die Bundesländer und die Bundesregierung grünes Licht für die Riesen-Laster, würde sich der Studie zufolge bis zu 7,6 Prozent des Schienengüterverkehrs auf die Straße verlagern. Eine enorme Zusatzbelastung für Verkehr und Straßen.

Ursprünglich sollten die Gigaliner dazu dienen, dass weniger Lkw auf den Straßen rollen. Dieses Szenario werde sich aber voraussichtlich in den kommenden Jahren nicht bestätigen. Damit wären auch die vermeintlichen Umweltschutzvorteile vom Tisch. Zwei Gigaliner könnten theoretisch drei herkömmliche Laster ersetzen, was laut Experten zu einem niedrigeren Verbrauch führen könnte (15 bis 25 Liter Kraftstoff).

Offiziell dürfen Gigaliner eine Länge von bis zu 25,25 Metern vorweisen und bis zu 44 Tonnen schwer sein. Herkömmliche Lkw sind lediglich bis zu 18,75 Meter lang. Bereits seit 2012 rollen 129 dieser Superlaster in einem Testversuch auch über Deutschlands Straßen. In Ländern wie Finnland gehören die langen Transportmittel bereits zum alltäglichen Straßenbild.

Welche Risiken bringen die Superlaster mit?

Kritiker befürchten neben der Verlagerung des Schienengüterverkehrs auf die Straße und dem erhöhten Verkehrsaufkommen auch ein größeres Unfallrisiko. Überholvorgänge würden noch länger dauern, außerdem stelle das hohe Gewicht der Gigaliner eine zusätzliche Belastung für die Straßen und die Asphaltdecke dar. Befürworter sehen aber genau das anders: Durch die Gewichtsverteilung auf mehrere Achsen würde die Belastung auf die Straße bei den Gigalinern sogar geringer ausfallen als bei heutigen Lkw.

Hinzukommt, dass bereits Länder wie die Niederlande oder Dänemark noch einen Schritt weitergehen. Hier kommen die Straßengiganten bereits auf ein Gewicht von bis zu 60 Tonnen. Schweden hat sogar angekündigt, bis zu 30 Meter lange und 90 Tonnen schwere Lkw testen zu wollen.

Wo fahren die Gigaliner in Deutschland?

In Deutschland dürfen die Gigaliner bereits seit 2012 zu Testzwecken (vorerst bis Ende 2016) auf ausgewiesenen Teilstrecken wie Autobahnen, Bundesstraßen und teilweise auch Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen rollen. Derzeit sind die Testversuche in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen erlaubt. Nordrhein-Westfalen wird in Kürze nachziehen. In Bremen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen dürfen die Superlaster ebenfalls auf den ersten Strecken fahren.

Werden mehr Riesenlaster kommen?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich bereits für eine flächendeckende Nutzung der Lang-Lkw in Deutschland ausgesprochen. Verkehrsexperten und Lobbyverbände der Bahn wehren sich aber noch gegen diese Pläne. Auch die EU steht den Gigaliner kritisch gegenüber. Bisher ist es auf EU-Ebene nicht erlaubt, dass die Riesen-Laster zwischen Nachbarstaaten pendeln, das haben das EU-Parlament und die EU-Verkehrsminister gemeinsam beschlossen.

Wann und ob es also zu einer tatsächlichen Zunahme der Gigaliner auf deutschen und europäischen Straßen kommen wird, steht bisher in den Sternen. Ende 2016 wird aber voraussichtlich eine neue Entscheidungsfindung anstehen, wenn die derzeitige Gigaliner-Testphase beendet ist.

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