Vor zwei Wochen platzte in den USA die Bombe. Die US-Umweltbehörde EPA gab bekannt, dass VW im großen Stil die Abgaswerte bestimmter Diesel-Motoren manipuliert hat. Was hat sich seitdem getan?

Der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte könnte eine ganze Branche mitreißen und setzt den deutschen Vorzeige-Autobauer immer weiter unter Druck. Wie groß der Imageverlust am Ende tatsächlich ist und wie stark sich der Skandal auf die Verkaufszahlen von VW auswirken wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. VW hat aus der größten Krise des Konzerns aber bereits Konsequenzen gezogen und bereitet sich auf den Ernstfall vor.

VW steht vor einem Scherbenhaufen

Mit dem Rücktritt von Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns bricht eine zentrale Figur des Unternehmens weg. Darüber hinaus sollen weitere Manager, die mit dem Skandal in Verbindung stehen, beurlaubt worden sein. Mehrere Behörden haben bereits Ermittlungen eingeleitet.

Wie groß der finanzielle Schaden sein wird, steht auch noch in den Sternen. Das Ausbessern der manipulierten Motorsoftware bei den rund elf Millionen betroffenen Diesel-Fahrzeugen könnte VW laut "Spiegel" rund drei Milliarden Euro kosten. Völlig unklar ist allerdings, ob die Fahrzeughalter der Diesel-Modelle Anspruch auf Schadenersatz haben. Derzeit sollen unter anderem in den USA, Großbritannien und Frankreich Ermittlungsverfahren und Klagen vorbereitet werden, in denen es um Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe gehen könnte. In Deutschland hat bereits ein erster Aktionär VW auf 20.000 Euro Schadensersatz verklagt. Die Schweiz geht sogar soweit und hat ab Montag einen Verkaufsstopp für VW-Dieselfahrzeuge ausgerufen.

Gefahr für den Standort Deutschland und die Autobranche

Viele Politiker, darunter auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), zeigten in den vergangenen Tagen großes Unverständnis für das Vorgehen von VW. Da Volkswagen weltweit als deutsches Vorzeige-Unternehmen gilt, sehen Politik und Wirtschaftsexperten sogar den Technologiestandort Deutschland als gefährdet an. Die Autoindustrie in Deutschland könnte nachhaltig Schaden durch die Abgasaffäre davon tragen.

Tatsächlich ist es so, dass nun auch andere Autohersteller wie Mercedes, BMW und Co. in den Fokus der Medien und Umweltbehörden rücken und sich ebenfalls unangenehme Fragen bezüglich der Abgaswerte ihrer Fahrzeuge gefallen lassen müssen. BMW-Chef Harald Krüger stellte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" allerdings bereits klar, dass ein Generalverdacht fehl am Platz sei.

Verkaufszahlen bleiben vorerst stabil

Im September konnte VW in den USA noch ein Absatzplus von 0,6 Prozent hinlegen. Die ebenfalls vom Skandal betroffene VW-Tochter Audi legte bei den Verkaufszahlen sogar um 16 Prozent zu. Dennoch bereitet sich VW darauf vor, dass die Absätze in den kommenden Wochen einbrechen könnten. Wie der "Spiegel" berichtet, habe VW geplante Sonderschichten im Werk in Mexiko bereits abgesagt. Im zweitgrößten VW-Werk der Welt werden jährlich rund 500.000 Fahrzeuge produziert. Der Hauptanteil ist für den Export in die USA bestimmt.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Auswirkungen auf den VW-Konzern und die Automobilbranche sind bisher völlig unklar. Ob am Ende tatsächlich Arbeitsplätze in Gefahr sind, hängt auch von den Verbrauchern ab - und diese reagieren laut eines aktuellen "ARD-Deutschlandtrends" noch unentschlossen. 65 Prozent der 1.001 Befragten hätten demnach ihr Vertrauen in die Automobilindustrie nicht verloren. 31 Prozent sehen das allerdings anders. 81 Prozent gehen außerdem davon aus, dass VW kein Einzelfall ist und derartige Manipulationen die ganze Branche betreffen. Eine Gefahr für die gesamte deutsche Wirtschaft sehen immerhin noch 38 Prozent - also rund jeder Dritte.

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