Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass Autofahrer unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Unfallreparatur in einer Markenwerkstatt ersetzt bekommen.

Nach einem Unfall haben Autofahrer die Möglichkeit ihr Fahrzeug in einer Werkstatt reparieren zu lassen oder sich den fälligen Betrag von der Kaskoversicherung auszahlen zu lassen. Dabei haben sich die Versicherer bisher in der Regel an den niedrigen Kosten einer "freien" Werkstatt orientiert. Laut eines Urteils (IV ZR 426/14) des Bundesgerichtshofs (BGH) dürfen Autofahrer bei der fiktiven Abrechnung von Unfallschäden durch die Kaskoversicherung aber unter bestimmten Voraussetzungen auch die Kosten ersetzt bekommen, die bei einer teureren Markenwerkstatt anfallen.

Kostenerstattung bei folgenden Voraussetzungen

Autofahrer haben dann einen Anspruch auf eine höhere Erstattungssumme, wenn das Auto einem neuen Fabrikat entspricht, das Fahrzeug bisher immer durch eine Markenwerkstatt repariert oder gewartet wurde oder es nur dort entsprechend fachgerecht instand gesetzt werden kann. Autofahrer stehen allerdings in der Beweispflicht und müssen im Zweifelsfall der Versicherung gegenüber beweisen, dass eine der genannten Voraussetzungen auch zutrifft.

Dem Urteil durch den Bundesgerichtshof war eine Klage eines Mercedes-Fahrers vorausgegangen, dessen Vollkaskoversicherung die von einem Gutachter errechneten fiktiven Reparaturkosten in Höhe von 9.400 Euro nicht bezahlen wollte. Die Versicherung bot dem Halter 3.000 Euro weniger an, da sie den Reparaturaufwand anhand der geringen Kosten in einer freien Werkstatt berechnet hatte.

Finanzielle Bereicherung oder gerechter Kostenaufwand

Die Kaskoversicherung warf dem Mercedes-Fahrer vor, sich womöglich finanziell bereichern zu wollen. Tatsächlich ist es so, dass Autofahrer nach einem Unfall die Möglichkeit haben, entweder eine konkrete Reparaturrechnung zur Instandsetzung des Fahrzeugs bei der Versicherung einzureichen, oder den Schaden zunächst von einem Kfz-Gutachter schätzen zu lassen. Der Autofahrer kann sich in diesem Fall die fiktiven Reparaturkosten auszahlen lassen - zum Beispiel dann, wenn sich eine Instandsetzung nicht mehr lohnt und sich der Halter stattdessen ein neues Fahrzeug anschaffen möchte.

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