Volles Auto, volle Kasse? Die Annahme klingt zwar plausibel, aber: Wie das Amtsgericht München festgestellt hat, ist ein Mehrpersonenaufschlag nicht erlaubt. Im verhandelten Fall muss der uneinsichtige Chauffeur dafür draufzahlen – und zwar doppelt.

Ein Münchener Taxifahrer hatte im April in seinem Fiat Doblo fünf Personen mit vier Gepäckstücken vom Flughafen in die Innenstadt gefahren. Und hatte dafür einen Mehrpersonenaufschlag von fünf Euro berechnet. Er war der Ansicht, dass er bei mehr Fahrgästen einen höheren Preis verlangen dürfe.

Harsche Worte im Taxi: "völlig unangemessen"

Die Frau, die für die Gruppe die Rechnung zahlte, verlangte für die Fahrt eine Quittung. Der 48-Jährige winkte ab. Nach einem Wortgefecht beschwerte sich die Dame bei der Taxizentrale. Der Mehrpersonenaufschlag sei unzulässig, das Taxi schmutzig und voller Tierhaare gewesen. Zudem sei die Wortwahl des Fahrers "völlig unangemessen", heißt es. Die Zentrale sah Anfangsverdachte für eine Ordnungswidrigkeit und eine überhöhte Abrechnung und leitete die Beschwerde an die Verwaltungsbehörde München weiter. Diese verdonnerte den Fahrer zu einem Bußgeld von 100 Euro. Er hatte gegen die Taxitarifordnung verstoßen. Der Taxifahrer legte Einspruch ein.

Der Fall mit dem Aktenzeichen 1117 OWi 253 Js 184485/15 wurde daher vor dem Amtsgericht München verhandelt. In der Verhandlung gab der Mann zu, den Mehrpersonenaufschlag zu Unrecht berechnet zu haben. Er sähe es aber nicht ein, ein Bußgeld zu zahlen, während andere Taxifahrer in München ähnlich handeln würden.

Bis zu 10.000 Euro Strafe

Die zuständige Richterin hielt fest, dass Ordnungswidrigkeiten anderer Personen sein Handeln nicht rechtmäßig machen würden. Zudem sei der Wagen für fünf Personen mit Gepäck oder sieben Personen ohne Gepäck zugelassen, falle aber (laut Münchener Taxitarifordnung) nicht unter die Großraumtaxis. Wäre dies der Fall, dürften Taxifahrer ab dem fünften Passagier eine Zuschlagspauschale von fünf Euro verlangen.

Da sich der Fahrer uneinsichtig zeigte und "in vollem Bewusstsein" ordnungswidrig handelte, verdoppelte die Richterin das Bußgeld auf 200 Euro. Theoretisch wären bis zu 10.000 Euro möglich gewesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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