Das Umweltbundesamt verspricht sich von einer flächendeckenden Einführung von Tempo 30 in allen deutschen Städten viele Vorteile: Neben besserer Luft soll es auch weniger Unfälle und einen besser fließenden Verkehr geben. Ziel des Amtes ist, schon bis 2020 eine Änderung der Straßenverkehrsordnung durchzusetzen. Doch die Kritik ist groß.

Tempo 30 soll schon bald die Regelgeschwindigkeit in deutschen Städten sein – das fordert zumindest das Umweltbundesamt in einem neuen Papier mit dem Titel "Stadt für Morgen". Das Vorhaben ist weiterhin als "kurzfristiges Ziel" bis zum Jahre 2020 gekennzeichnet. Für die Umsetzung bräuchte es aber zunächst eine Änderung der bestehenden Straßenverkehrsordnung – denn bislang ist dort die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften für alle Kraftfahrzeuge auf 50 Kilometer pro Stunde festgelegt.

Umweltbundesamt sieht viele Vorteile

Was für viele Autofahrer erst einmal nach einer deutlichen Verlangsamung des Straßenverkehrs klingt, soll laut der Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, das genaue Gegenteil mit sich bringen. Die Politikerin sieht nämlich nicht nur Vorteile durch die geringeren Schadstoffemissionen, wenn alle Fahrzeuge mit Tempo 30 unterwegs sind. Pkw und Lkw sollen zugleich auch genauso schnell von A nach B kommen können wie zuvor, da geringere Standzeiten und weniger Stop-and-go zu einem flüssigeren Verkehrsfluss führten.

Bundesverkehrsministerium und ADAC kritisieren Idee scharf

Dass bei dieser Idee Streit vorprogrammiert ist, dürfte klar sein. Bereits jetzt hält man im Bundesverkehrsministerium wenig von dem Vorstoß. Ein generelles Tempo-30-Limit bremse den Verkehr auf Hauptverkehrsstraßen zu stark ein, außerdem würde die Entscheidungsfreiheit der Kommunen eingeschränkt. Die geltende Regelung sei absolut ausreichend, immerhin könnten Gemeinden und Kommunen vor Kitas und in Wohngebieten auch Tempo 30 vorschreiben – selbst auf Hauptverkehrsstraßen, wenn es einen Grund dafür gebe.

Der ADAC kann dem Vorstoß ebenfalls nichts Gutes abgewinnen. Zwar sei die 30er-Zone, die sich seit 1983 in deutschen Wohngebieten nach und nach ausgebreitet hat, gut und wichtig für die Sicherheit in den Städten. Doch das generelle Limit würde genau diesen Vorteil wieder zunichtemachen, da die Route über die Hauptverkehrsstraßen dann nicht mehr schneller sei und viele Autofahrer dann wieder auf die Fahrt durch ein Wohngebiet ausweichen könnten. Zudem habe der Automobilclub eine Untersuchung vorliegen, nach der Fahrzeuge bei 30 km/h nicht weniger Schadstoffe ausstoßen würden, als bei 50 km/h.

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