Der ADAC wirft der Autoindustrie vor, Fahrzeuge zu wenig gegen Tacho-Betrug zu schützen. Vor allem bei Gebrauchtwagen werde es Kriminellen zu leicht gemacht. Dabei geht von manipulierten Tachos eine Unfallgefahr aus.

Der ADAC wirft den Autoherstellern vor, dass sie ihre Modelle nicht ausreichend vor Tacho-Manipulation schützen: Sie machten es Betrügern leicht, den Kilometerstand über die Bordelektronik zu verändern. Der Club beruft sich auf die Ergebnisse einer Studie der Universität Magdeburg. Durch Tacho-Betrug entsteht nach ADAC-Angaben jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von sechs Milliarden Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Automobilclub Alarm geschlagen: Jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland sei mit einem gefälschten Kilometerstand unterwegs.

Manipulation leicht gemacht:Laut ADAC verfügen etwa seit dem Baujahr 2000 alle Fahrzeugmodelle über einen einheitlichen Diagnose-Stecker. Daran lassen sich Manipulationsgeräte anschließen, mit deren Software die Kilometerzahl binnen weniger Sekunden elektronisch zurückgestellt werden könne. Manipulationsgeräte lassen sich nach ADAC-Angaben für rund 7000 Euro legal kaufen. Es gebe Anbieter für solche Dienste. Ein Ausbau des Tachos ist nicht mehr nötig. Selbst für neue Fahrzeugmodelle gebe es schnell Software-Updates, heißt es.

Manipulation erkennen: "Für Laien ist es kaum möglich zu erkennen, ob der Kilometerstand eines Autos manipuliert wurde", sagt Carsten Reinkemeyer vom Allianz Zentrum für Technik (AZT). Interessenten für einen Gebrauchtwagen können allerdings TÜV-Berichte, Werkstattrechnungen und Ölwechsel-Daten auf mögliche Unstimmigkeiten mit dem Tachostand überprüfen. Auch eine auffallend stark verschlissene Innenausstattung eines Wagens trotz vermeintlich geringer Laufleistung kann auf eine Tacho-Manipulation hindeuten.

Auf Manipulation reagieren:Beim geringsten Verdacht auf einen Tacho-Betrug sollten Autobesitzer eine Werkstatt mit der Spurensuche beauftragen, rät Reinkemeyer. Allerdings seien dabei sogar Kfz-Experten Grenzen gesetzt: Professionelle Betrüger hinterließen meist keine Spuren, auch nicht in der Steuerelektronik eines Autos.

Unfallgefahr durch Manipulation: Gebrauchtwagen mit manipuliertem Tacho können für die ahnungslosen Besitzer gefährlich werden. "Autos mit zurückgedrehtem Kilometerstand sind womöglich nicht ihrem wahren Verschleiß entsprechend gewartet", warnt Reinkemeyer. Für die Wartungsintervalle seien vorrangig kilometerabhängige Verschleißgrenzen maßgeblich. "Wenn sicherheitsrelevante Arbeiten wie der Wechsel der Bremsflüssigkeit nicht rechtzeitig erledigt werden, weil laut dem gefälschten Kilometerstand noch Zeit dafür bleibt, könnte Technikversagen zu einem Unfall führen." Auch seien schwere Schäden am Fahrzeug denkbar, weil etwa ein überalterter Zahnriemen reißt.

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