Quo vadis ADAC? Bei der Mitgliederversammlung des ADAC Nordrheins will sich Ex-Präsident Peter Meyer zum Vorsitzenden des Regionalclubs wählen lassen. Stellt der ADAC die falschen Signale? Darüber sprachen wir mit Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Institut "Center Automotive Research" an der Universität Duisburg-Essen.

Peter Meyer, Ex-Präsident des ADACs will sich als Vorsitzender des Regionalclubs Nordrhein bestätigen lassen. Ist das richtige Signal nach dem Skandal?

Ferdinand Dudenhöffer: Es kann durchaus sein, dass er bei dem Regionalclub weiter Vorsitzender bleibt. Das halte ich aber für weniger gut, weil das ein Zeichen dafür ist, dass man beim ADAC nicht für einen richtigen Neuanfang ist. Es wird also alles ein bisschen zugekleistert und man hofft, dass die Öffentlichkeit den Skandal vergisst.

Der ADAC vertut also Ihrer Meinung nach die Chance, einen richtigen Neuanfang zu wagen?

Dudenhöffer: Momentan sieht man nicht viel, was darauf hindeutet, dass es wirklich einen Neuanfang gibt. Da gab es ein paar Pressemeldungen. Da gab es einen Beirat, von dem keiner weiß, was er tut. Der Beirat ist nirgends in den Statuten verankert. Was der ADAC zurzeit wirklich macht, weiß niemand.

Viele Fragen, wie etwa nach den Einkünften der Tochtergesellschaften oder Provisionen für Geschäfte, bleiben unbeantwortet. Es sieht so aus, als wenn man Gras darüber wachsen lassen wollte.

Hat sich der ADAC überholt? Und gibt es echte Alternativen zu dem Autoclub?

Dudenhöffer: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Der ADAC hat ein hervorragendes Produkt, das beste am Markt. Das nennt sich Pannenhilfe, eine Arte Versicherung. Viele Leute haben großes Vertrauen zu diesem Produkt und sind deswegen nicht wechselwillig.

Sie haben kritisiert, dass der ADAC auch Politik macht. Wird das in Zukunft mit trotzdem noch vielen Millionen Mitglieder denn anders sein?

Dudenhöffer: Er wird nicht mehr so ernst genommen. Es hat sich gezeigt, dass die Mitglieder nur Kunden sind, mehr nicht. Der ADAC ist als öffentliche Meinungsinstitution deutlich reduziert worden. Die drei Monate Skandal haben den ADAC in seiner Machtposition gestürzt.

Der Preis "Gelber Engel" ist tot, Aber wie sieht es mit den Tests von Reifen, Badeseen und ähnlichem aus?

Dudenhöffer: Die Verbraucher sind sehr misstrauisch geworden gegenüber dem ADAC, das Kernprodukt bleibt dennoch wichtig. Aber seine Meinungsmacht ist verloren gegangen. Aus dem ADAC ist ein flügelloser Adler geworden.

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Ferdinand Dudenhöffer: "Aus dem ADAC ist ein flügelloser Adler geworden"