Waren die Reifentests des größten deutschen Automobilclubs ADAC jemals unabhängig? Dieser Frage ging die Sendung "WDR Servicezeit" vom 31. März nach. Der schwerwiegende Vorwurf: Auch bei den Praxistests von Sommer- und Winterreifen soll manipuliert worden sein. Die Hersteller der Reifen hätten die Testergebnisse entscheidend beeinflussen können.

"Auffällig ist, dass über viele, viele Jahre eigentlich immer wieder die Produkte des gleichen Herstellers die Siegreichen sind", sagt Willy Matzke der "WDR Servicezeit". Der Branchenexperte, der bis vor zwei Jahren Verkehrschef des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC war, erhebt schwere Vorwürfe gegen den ADAC. Er behauptet: Die Reifentests des deutschen Clubs waren alles andere als unabhängig. Der ADAC hätte eng mit den Herstellern zusammengearbeitet, deren Testanlangen genutzt und sei vor Ort von Mitarbeitern des Herstellers betreut worden. Matzke zufolge wurden die Tests teilweise sogar vom Reifenhersteller selbst durchgeführt.

Produzierten die Hersteller Reifen extra für die Tests?

Matzke, der bei den Reifentests des ADAC jahrzehntelang als Experte vor Ort war, nennt Continental und Bridgestone als Beispiele für Hersteller, die dem Automobilclub ihre Testanlagen zur Verfügung stellten. Bei einem solchen Vorgehen bestehe die Gefahr, dass Mitarbeiter des Herstellers "Mittel der technischen Korrektur" anwenden - die Ergebnisse der Tests also manipulieren könnten. "Ganz hoch spezielle Prüfanlagen dürfen nur von Spezialisten des Herstellers bedient werden", sagt Matzke der "Servicezeit".

Der Experte scheint damit die bereits im Februar erhobenen Vorwürfe von Jan Hennen, seinerseits langjähriger Pressesprecher von Michelin, zu bestätigen. Dieser berichtete in einer älteren "Servicezeit"-Sendung, dass man über die Anforderungen für die ADAC-Tests im Vorfeld informiert war und die Hersteller Modifikationen an den Reifen vornehmen konnten. Ein nicht namentlich genannter Ex-Entwicklungsingenieur eines holländischen Herstellers verriet dem WDR sogar, dass eigens für die Tests Kleinserien von Reifen hergestellt wurden, die nichts mit den im Handel erhältlichen Modellen zu tun hatten.

Was sagt der ADAC dazu?

Um Stellungnahme gebeten, bestätigte der ADAC gegenüber der "Servicezeit", dass man Testanlangen verschiedener Hersteller nutzte. Allerdings habe man diese nur gemietet, Material, Autos und Fahrer stammten vom Automobilclub. Anders sah dies nur bei Verschleißprüfungen aus, da Bridgestone über den einzigen geeigneten Prüfstand der Welt verfüge. Dort habe man die Prüfungen durchführen lassen. Dennoch wurden sie in Praxistests auf der Straße gegengecheckt, heißt es.

Die enge Kooperation von ADAC und Herstellern bei den Reifentests kann also auch der Club nicht vollkommen von der Hand weisen. Experten wie Willy Matzke fordern daher schon seit langer Zeit, dass der Automobilclub in eigene Testanlagen investiert, um unabhängig arbeiten zu können.

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