Es sind Szenen wie aus einem Actionfilm: Ein Gefahrgut-Transporter kippt am Sonntag auf der A1 bei Schwerte im Ruhrgebiet um. 800 Grad heißes, flüssiges Aluminium läuft aus, die Fahrbahn fängt an zu brennen. Der Schaden wird auf 200.000 Euro geschätzt. Was vielen gar nicht bewusst ist: Solche gefährlichen Transporte rollen jeden Tag über unsere Autobahnen.

Was ist ein Gefahrengut-Transporter?

"Gefahrgüter sind kennzeichnungspflichtig. Ein Güterkraftfahrzeug, das kennzeichnungspflichtige Gefahrgüter transportiert, ist ein Gefahrguttransporter", erklärt Jochen Oesterle vom ADAC. Technisch könne das ein ganz normales Fahrzeug sein, die meisten Gefahrguttransporter sind aber Tanklastzüge für Treibstoffe.

Was wird transportiert?

Jährlich werden über 400 Millionen Tonnen Gefahrgüter allein in der Bundesrepublik Deutschland transportiert, 140 Millionen Tonnen davon im Straßengüterverkehr. Das beschreibt das Bundesministerium für Verkehr (BMVI) in einer Informationsbroschüre. Unter den Gefahrgütern befinden sich auch rund 500.000 Sendungen mit radioaktiven Stoffen. Vom Transport der radioaktiven Stoffe geht offenbar wenig Gefahr aus, da es sich dabei laut Angaben des BMVI größtenteils um pharmazeutische Waren mit einer geringen Menge an radioaktiven Stoffen handelt. Die sonstigen radioaktiven Stoffe würden ebenfalls nicht in größeren Mengen befördert.

Fast zwei Drittel der Gefahrgut-Transporte entfallen auf entzündbare flüssige Stoffe wie Benzin oder Alkohol, sagt Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Mengenmäßig folgten danach Gase wie Propangas oder Wasserstoff und ätzende Stoffe wie Schwefelsäure oder Natronlauge.

Wie werden solche Ladungen gesichert?

Jochen Oesterle vom ADAC erklärt: "Es gibt jedoch für alle Arten von Ladungen, die auf der Straße transportiert werden, umfangreiche Ladungssicherungsvorschriften." Bei Gefahrgütern gebe es weitere Vorgaben, zum Beispiel bezüglich der Mengen, die auf einem einzelnen Fahrzeug transportiert werden dürfen. Auch Kombinationen bestimmter chemischer Substanzen könnten verboten sein.

Woran erkenne ich Gefahrengut-Transporte?

Laut ADAC können Gefahrengut-Transporter an einer speziellen Kennzeichnung erkannt werden: Ein auf die Spitze gestelltes, quadratisches Symbol. Dieses variiert in Farbe und zusätzlich abgebildeten Zeichen. Insgesamt gibt es laut Constantin Hack vom ACE neun verschiedene Gefahrgutklassen, von explosiven Stoffen über entzündbare flüssige Stoffe bis hin zu radioaktiven oder ätzenden Stoffen. Ein rotes, auf die Spitze gestelltes Quadrat, auf dem Feuer und die Zahl 3 abgebildet sind, bedeutet zum Beispiel: Es handelt sich bei dem Gefahrgut um entzündbare flüssige Stoffe.

Zudem müssen alle Gefahrgut-Transporte eine Warntafel mit sich führen. "Das sind die orangefarbenen, rechteckigen Tafeln an den Lkw. Eine Ziffernfolge gibt beispielsweise bei Tankwägen Auskunft über die Ladung. Die erste Zeile nennt die Gefahrgutklasse, die zweite die so genannte UN-Nummer", erklärt Hack. Die Nummer 1203 stehe dabei beispielsweise für Benzin. "Aluminium-Transporte müssen darüber hinaus noch ein Warndreieck mit einem stilisierten Thermometer tragen, es zeigt an, dass der Gefahrstoff erwärmt transportiert wird."

Wie gefährlich ist das?

Gefährliche Güter sind laut BMVI Stoffe und Gegenstände, von denen bei Unfällen oder unsachgemäßer Behandlung Gefahren ausgehen können. Zu diesen Gefahren zählen zum Beispiel Radioaktivität, Explosionsrisiko, Entzündlichkeit oder Selbstentzündlichkeit.

"Wir gehen davon aus, dass die Ladungssicherungsvorschriften und Gefahrguttransport-Vorschriften sicherstellen, dass auch Gefahrgüter sicher auf unseren Straßen transportiert werden können", sagt Jochen Oesterle vom ADAC. "Leider lassen sich Unfälle jedoch niemals vollständig ausschließen."

Vorsicht auch beim Transport im Pkw

"Auch im Pkw ist der Gefahrgut-Transport geregelt", sagt Hack vom ACE. Dabei solle jeder Autofahrer bedenken, dass zu den Gefahrguten auch Farben, Lacke, Gasflaschen und Spraydosen zählen. "Bei diesen ist besondere Vorsicht beim Transport geboten und Ladungssicherung äußerst wichtig."

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