Wer schnell sein will, kauft sich einen Sportwagen. Wer viel transportieren muss, einen Kombi. Der Audi RS 6 Avant macht diese Entscheidung hingegen überflüssig.

Der werksgetunte Lademeister aus Ingolstadt tritt an, um sowohl leistungshungrige Manager als auch Familienväter mit Platzansprüchen gleichermaßen zufriedenzustellen - und um mit dem verstaubten Kombi-Image aufzuräumen. Kombis sind praktisch, aber nicht schön - oder schnell. Und Sportwagen sind schnell und schön, aber nicht praktisch. Während der ein oder andere noch hin- und hergerissen scheint, weil er sich nicht auf eines der beiden Konzepte festlegen mag, fährt der Audi RS 6 Avant vor, um die Zwiegespaltenen von der Qual der Wahl zu erlösen. Denn der Sportler aus Ingolstadt will beides: Genügend Platz für die Familie, die Einkäufe sowie den Familienhund bieten und gleichzeitig potenten Sportwagen auf der Autobahn die Rücklichter zeigen. Trotz Downsizings könnte das gelingen.

Weniger ist mehr: Downsizing-Motor des Audi RS 6 Avant im Test

Beim flüchtigen Blick aufs Datenblatt wird der Audi-Kenner vielleicht kurz zusammenzucken: Der neue Audi RS 6 Avant, der seit Sommer 2013 bei den Händlern steht, hat im Vergleich zum Vorgänger zwei Zylinder, 1,2 Liter Hubraum und 20 PS weniger. Weniger? Ja, weniger. Doch wer weiterliest, wird beruhigt. Denn trotz des Downsizings ist der Power-Kombi kraftvoller und schneller als der Alte. Nur noch 3,9 Sekunden vergehen beim Sprint auf Tempo 100. Zum Vergleich: Der Porsche 911 braucht in allen Carrera-Varianten noch mehr als vier Sekunden.

Der Verlust an Pferdestärken ist mit dem Wissen im Hinterkopf zu verkraften, dass das maximale Drehmoment bei der neuen Generation um 50 auf 700 Nm angewachsen ist. Und diese enorme Kraft kann der Audi RS 6 Avant im großen Drehzahlbereich von 1.750 bis 5.500 Umdrehungen abrufen. Der Allradantrieb und die Launch Control für seine Achtgang-Automatik bringen die Kraft zudem so effektiv auf die Straße, dass der durchzugsstarke Power-Kombi sämtliche Konkurrenz abhängt.

Davon gibt es übrigens gar nicht so viele. Denn vom BMW M5 gibt es keine Kombi-Variante, und auch sonst machen sich kraftvolle Kombis rar. Vergleichbar ist daher nur das T-Modell vom Mercedes E 63 AMG, das ähnliche Fahrwerte aufweist, aber noch leicht teurer ist.

Wer alles will, muss alles geben

Und das ist auch der Schwachpunkt der Power-Kombis, die Begehrlichkeiten wecken: der Preis. Ein Auto, das quasi alles kann, ist verständlicherweise kein Schnäppchen. Mindestens 107.900 Euro sind für Papis Liebling zu zahlen - dafür muss Papi ganz schön tief in die Tasche greifen. Das erwähnte Mercedes E 63 AMG T-Modell ist zwar noch rund 2.000 Euro teurer, aber wer den getesteten Audi RS 6 Avant nicht ganz so nackig fahren möchte, muss noch einmal ordentlich draufzahlen. Die Optionsliste nimmt dabei fast die Ausmaße eines Buches an, und der Power-Kombi wird schnell so teuer wie ein Audi R8. Immerhin: Beim Avant bekommt Papi mehr Auto für sein hart gespartes Geld.

Trotz der happigen Preise - wer ihn sich leisten kann, der möchte ihn nicht mehr missen. Allein das knurrige Bollern des 4,0-Liter-V8-Motors lässt Herzen höher schlagen, der Antritt ist beispiellos und die Ledersitze schmiegen sich so schön an den Körper, dass man gar nicht mehr aussteigen möchte. Also, Papis: Fangt schon mal an zu sparen!

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