Beim ersten bundesweiten Blitz-Marathon am vergangenen Donnerstag erwischte die Polizei rund 83.000 Temposünder. Bei den Betroffenen dürfte in den nächsten Wochen also Post von der Behörde eintrudeln. Doch ist die Strafe immer gerechtfertigt? Wie zuverlässig sind die Tempomessungen eigentlich? Das haben Sachverständige fast sechs Jahre lang untersucht.

Selbstverständlich ist es wichtig, dass Temposündern entsprechende Strafen drohen, wenn sie bei Verkehrskontrollen - etwa beim Blitz-Marathon vergangene Woche - mit zum Teil deutlich erhöhter Geschwindigkeit geblitzt oder angehalten werden. Denn: Sie gefährden bei Geschwindigkeitsübertretungen nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Was allerdings, wenn die Strafe nicht gerechtfertigt ist? Dass Tempomessungen oftmals auch falsche Ergebnisse liefern, hört man immer wieder. Ein Team aus Sachverständigen von der Industrie- und Handelskammer Saarbrücken ist diesem Problem auf den Grund gegangen.

Nur 44 Prozent der Tempomessungen ohne Mängel

Die Sachverständigen untersuchten von April 2007 bis Januar 2013 insgesamt 14.783 anonymisierte Ordnungswidrigkeitsverfahren infolge von Geschwindigkeitsübertretungen - mit einem erschreckenden Ergebnis: Nur 44 Prozent der Tempomessungen waren ohne Mängel. Bei allen anderen Fällen konnten die Sachverständigen kleinere oder größere Schwachstellen finden. Insgesamt 1.183 Fälle und damit acht Prozent der untersuchten Verfahren waren nachweislich fehlerhaft oder die Messwerte beziehungsweise deren Zuordnung falsch.

Technik oder falsche Bedienung führen zu fehlerhaften Ergebnissen

Dass Tempomessungen falsche Ergebnisse liefern, kann sowohl an fehlerhafter Technik als auch an der falschen Bedienung der Messgeräte liegen. Darüber hinaus können der Verkehr, der Standort der Kontrolle sowie das Wetter die Messungen beeinflussen.

Temposünder, die beim Blitz-Marathon erwischt wurden und falsche Tempomessungen befürchten, haben es allerdings nicht einfach, zu ihrem Recht zu kommen. Viele scheitern schon am Beweisantrag, denn allein die Behauptung, das Gerät habe nicht einwandfrei funktioniert, reicht nicht für ein Gerichtsverfahren. Darüber hinaus haben selbst Anwälte nur ein eingeschränktes Akteneinsichtsrecht.

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Nach dem Blitz-Marathon: Wie zuverlässig sind Tempomessungen eigentlich?