Seit jeher steht Maserati für sündhaft teure Sportwagen und leidenschaftliche Achtzylinder-Motoren. Der Maserati Ghibli passt vor diesem Hintergrund nicht unbedingt in die Tradition der Marke. Kann der Italiener im Test trotzdem ein Ausrufezeichen setzen?

Zunächst ein kurzer Ausflug nach Modena: Der Maserati Quattroporte gehört nicht zu den besten Fahrzeugen in seiner Klasse. Weder ist er technisch auf dem Stand der Zeit noch hat er ausreichend Power, um mit der fortschrittlichen deutschen Konkurrenz namens BMW 5er und Audi A6 mitzuhalten. Doch geht es beim Autokauf ausschließlich um Zahlen, Fakten und nüchterne Gegenüberstellungen? Oder gibt es doch eine andere Dimension, die man nicht messen kann? Ein Blick auf den Maserati Quattroporte genügt, und die Frage beantwortet sich von allein. Die Konkurrenz mag besser sein, der Quattroporte allerdings ist unsterblich.

Ist der Ghibli ein "echter" Maserati?

Nun sind beim Maserati Quattroporte die Zutaten sehr speziell. Der hohe Preis gewährleistet eine hohe Exklusivität, das Achtzylinder-Triebwerk gibt sich als Magier und lässt den Funken überspringen. Der Maserati Ghibli hingegen ist nicht annähernd so teuer - in Wahrheit ist er sogar der günstigste Maserati im Marken-Portfolio. Auch gibt es bisweilen keine Anhaltspunkte dafür, dass in ihm jemals die Urgewalt eines sportlichen Achtzylinders wüten wird. Wo also bleibt die Exklusivität beim Ghibli, wo das wilde Aufschreien eines  Sportaggregats, das jeden Quadratzentimeter des menschlichen Körpers durchdringt? Wie viel Maserati steckt im Ghibli?

Eine Mischung aus Kraft und Eleganz

Für Nostalgiker dürfte der Test an dieser Stelle ein Ende nehmen, allen anderen sei dringend angeraten, noch ein wenig weiterzulesen. Um zu erfahren, dass auch der Maserati Ghibli ein Verfechter italienischer Leidenschaft ist. Wer sich in die Außenhaut des Quattroporte verliebt hat, wird auch dem Maserati Ghibli verfallen sein. Das Design drückt Eleganz und Kraft aus, man wähnt sich in einem Rausch, solange einen der Blick der viertürigen Coupé-Limousine gefangen hält. Ein Schwinger hier, ein kleiner Akzent da - die Italiener verstehen etwas davon, wie man das innere Verlangen des Menschen nach Harmonie und Einklang aktiviert.

Im Innenraum das gleiche Bild, den Fahrer erwartet kein Interieur, sondern ein ästhetisches Kunstwerk. Die gute Verarbeitungsqualität liegt aber nicht auf dem Niveau der deutschen Konkurrenz. Kleine Makel, ein wundervolles Äußeres - na, vielleicht steckt in ihm ja doch ein richtiger Maserati.

Im Test: Die Diesel-Version des Maserati Ghibli

Auf geht's zu einer Probefahrt. Der Antrieb im Test könnte für einen Maserati untypischer nicht sein. Nicht nur, dass unter der Haube nur sechs Töpfe auf ihren Einsatz lauern, mehr noch: Die Töpfe sind selbstzündend und kommen nicht einmal auf 300 PS. 275 Pferdestärken leistet der Dreiliter-Diesel und startet auf Knopfdruck. Welch ein Sound! Der Maserati Ghibli klingt nicht nach einem Selbstzünder, sondern nach einem animalischen Sportwagen. Und so fühlt er sich auch an: Nach nur 6,3 Sekunden stehen 100 Sachen auf dem Tacho, das Drehmoment von 600 Newtonmetern erlaubt wundervolle Ritte auf der Drehmomentwelle. Die Achtstufen-Automatik schaltet schnell wie ein Blitz und katapultiert den Ghibli praktisch ohne Zugkraftunterbrechung nach vorne.

Maserati Ghibli: Preise beginnen bei 65.000 Euro

Etwas Ernüchterung kommt auf, wenn man weiß, dass der herrliche Klang des Maserati Ghibli durch Soundgeneratoren begünstigt ist. Ein pures Maserati-Erlebnis ist das nicht. Authentischer geht es aber in den Kurven zu, die er zackig ohne besondere Anstrengung nimmt. Das sportliche Fahrwerk geht aber nicht auf Kosten des Komforts - der Ghibli eignet sich durchaus auch für lange Reisen. Die Reisen wären aber teuer bezahlt, mindestens 65.000 Euro kostet der Diesel-Maserati und damit mehr als die deutsche Konkurrenz. Für die Verhältnisse der Marke allerdings ist der Maserati Ghibli ein Schnäppchen.

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