Nahezu jede Woche gibt es Nachrichten über eine neue Rückrufaktion. Die Pannenserien vieler großer Hersteller scheinen 2014 gar nicht mehr abreißen zu wollen. Eine aktuelle Studie bestätigt diesen Eindruck: Im ersten Halbjahr wurden in den USA bereits mehr Pkw zurückgerufen als in beiden Vorjahren zusammen.

Die Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach bestätigt damit, was viele bereits vermuteten: 2014 wird einen neuen Negativ-Rekord aufstellen, was die Anzahl der Rückrufaktionen und zurückgerufenen Autos angeht. Dabei spielt es keine Rolle mehr, wie viele Rückrufe es bis Ende des Jahres noch geben wird - bereits zur Halbzeit weise das Jahr 2014 das größte Rückrufvolumen aller Zeiten auf, zitiert "Spiegel Online/Reuters" aus der Studie.

37,2 Millionen zurückgerufene Pkw in den USA bis Juni 2014

Verschiedenen Medienberichten zufolge ermittelten die Experten die gewaltige Zahl von 37,2 Millionen zurückgerufenen Pkw auf dem Referenzmarkt USA bis Juni 2014. Damit übertrifft das erste Halbjahr den entsprechenden Vorjahreszeitraum nicht nur um 11,1 Millionen Fahrzeuge, sondern auch das Rückrufvolumen der Jahre 2012 und 2013 zusammen. Die Rückrufquote - das Verhältnis von verkauften zu zurückgerufenen Fahrzeugen - stieg laut CAM-Studie von 142 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 455 Prozent von Januar bis Juni 2014. Das bedeutet, dass mehr als viermal so viele Autos zurückgerufenen wie verkauft wurden.

Rückrufquote von General Motors liegt bei 1.668 Prozent

Trauriger Spitzenreiter mit einer fast unglaublichen Pannenserie ist mit Abstand der US-amerikanische GM-Konzern. Im Erhebungszeitraum der Studie beorderte der Hersteller in 37 Aktionen rund 25 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Vor allem wegen defekter Zündschlösser, die für mindestens 13 Todesfälle verantwortlich sein sollen, musste General Motors reagieren und bei zahlreichen Modellen nachbessern. Die Experten des CAM ermittelten auf Grundlage dessen eine Rückrufquote von 1.668 Prozent für das erste Halbjahr. Dabei sind die Rückrufaktionen von GM im Juli noch gar nicht berücksichtigt. Sie steigern die Zahl der zu überprüfenden Autos auf 28,8 Millionen in diesem Jahr.

Deutsche Autobauer schnitten in der Studie besser ab

Mit großem Abstand folgt Toyota auf Platz zwei der Negativ-Rangliste. Der japanische Konzern musste im ersten Halbjahr 4,4 Millionen Pkw auf dem US-Markt in die Werkstätten beordern. Das entspricht einer Rückrufquote von 379 Prozent. Auf Platz drei folgt Elektroautobauer Tesla, dessen Quote laut Studie aktuell bei 321 Prozent liegt. Den deutschen Herstellern stellten die CAM-Experten ein besseres Zeugnis aus: Die Rückrufquoten von Daimler (151 Prozent), BMW (89 Prozent) und VW (61 Prozent) liegen deutlich unter denen der Negativ-Spitzenreiter.

Vielfältige Gründe für neuen Negativ-Rekord

Dass 2014 einen neuen Rückruf-Rekord aufstellt, hat laut CAM vielfältige Gründe. So tragen zum Beispiel Faktoren wie die wachsende technische Komplexität auf der einen und der steigende Kostendruck auf der anderen Seite dazu bei, dass die Qualität leidet und die Fehleranfälligkeit wächst. Hohe Wachstumsziele und eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit bei wachsendem Wettbewerb steigern das Risiko für Massenrückrufe, sind sich die Experten einig.

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