Ein Auto für 6.990 Euro? Wofür andere Menschen einen Gebrauchtwagen kaufen, gibt es den Dacia Sandero als Neuwagen. Aber kann man von einem solchen Schnäppchen das gleiche erwarten wie von der deutlich teureren Konkurrenz im Segment? Mit welchen Schwächen des Kleinwagens man sich eventuell arrangieren muss, zeigt der Test.

Alles besser in der zweiten Generation?

Die erste Generation des Billigautos kam 2008 auf den Markt und wurde zum Erfolg für die rumänische Marke Dacia. Bis kurz vor der Ablösung durch die neue Generation verkaufte die Renault-Tochter deutlich mehr als eine Million Exemplare des Dacia Sandero. Der neue Kleinwagen, der vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) allerdings zur Kompaktklasse gezählt wird, ist seit Januar 2013 erhältlich und wartet mit einigen Neuerungen auf. Denn der Sparzwang war der ersten Generation des Billigautos teilweise etwas zu deutlich anzumerken. Der neue Sandero soll die stärksten Kritikpunkte ausmerzen und mehr Auto für wenig Geld bieten.

Mehr Liebe zum Detail

Dass Billigmarken wie Dacia deutlich weniger Geld in das Design ihrer Fahrzeuge stecken, war dem Vorgängermodell noch deutlich anzumerken. Der neue Dacia Sandero muss sich hingegen nicht mehr vor dem VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corsa und Co. verstecken. Mit seiner chromverzierten, bulligen Front, den stärkeren Konturen an der Seite und der aufgepeppten Heckpartie wirkt der 4,06 Meter lange Kleinwagen nun dynamischer und moderner.

Im Innenraum bestimmt nach wie vor Hartplastik den Gesamteindruck, dennoch werden auch hier Nachbesserungen deutlich. Das Interieur ist aufgeräumt, größtenteils ordentlich verarbeitet und Dekorelemente wie Chromringe oder Zierstreifen hinterlassen den Eindruck, bei der zweiten Generation sei mit mehr Liebe zum Detail gearbeitet worden.

Sparzwang noch immer erkennbar

Damit aber noch nicht genug der Neuerungen: Neben neuen Instrumenten und Extras ist die Rücksitzbank jetzt auch geteilt umklappbar. Als Kleinwagen kann der Dacia Sandero mit vielen praktischen Ablagen und einem Kofferraumvolumen von 320 bis 1.200 Litern punkten. Der VW Polo bietet im Normalzustand gerade einmal 280 Liter. Hier kommt dem günstigen Rivalen die Nähe zur Kompaktklasse zugute.

Dennoch offenbart der neue Dacia Sandero auch einige Schwachstellen im Test. Dem günstigen Basispreis ist es wohl geschuldet, dass die Sitze recht dünn geraten, das Handschuhfach nicht beleuchtet und die Schminkspiegel nicht abgedeckt sind. Die Ladekante ist außerdem etwas zu hoch und unverkleidet. Dafür kann der Kleinwagen mit nicht selbstverständlichen Details wie einer Motorhaube überzeugen, die per Gasdruckdämpfer offengehalten wird.

Turbo-Dreizylinder mit 90 PS im Test

Das einzig neue Aggregat im Portfolio ist der 0,9-Liter-Turbo-Dreizylinder, den der Dacia Sandero vom Renault Clio übernommen hat. Mit 90 PS ist man in dem rund eine Tonne schweren Kleinwagen zunächst ausreichend flott unterwegs, doch bei höheren Geschwindigkeiten geht dem Motor die Luft aus. Zudem wird es ab 120 km/h aufgrund der spärlichen Dämpfung unangenehm laut. Dafür kann der getestete Sandero mit seiner komfortablen Federung punkten. Wenn schon nicht für lange Reisen, so eignet sich der Dacia doch als bequemes Pendlerauto, mit einem vom Hersteller versprochenen Normverbrauch von 5,2 Litern Super auf 100 Kilometern.

Der neue Dacia Sandero eignet sich also für alle, die keinen Wert auf Statussymbole legen, sondern einigermaßen flott und möglichst günstig unterwegs sein wollen. Für 6.990 gibt es zwar wirklich wenig Auto - der getestete 90-PS-Turbobenziner startet preislich bei 10.290 Euro -, dafür sind mittlerweile auch ESP, Servolenkung und vier Airbags serienmäßig mit an Bord. Und selbst wer in die teuerste Variante mit allen Extras investiert, spart im Vergleich zur Konkurrenz noch mehrere Tausend Euro.

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