Jenseits des großen Teichs stromert er schon eine Weile herum, in Europa läuft er erst seit Sommer 2013 vom Band: der Ford Focus Electric. Ob das erste reine Elektroauto der Marke auch hierzulande ein guter Fang ist und der E-Mobilität endlich mehr Freunde verschaffen könnte, klärt der Test.

Alltagstauglichkeit und Kosten - das sind die beiden Hauptfaktoren deutscher Autofahrer, die sie auch 2013 noch häufig vom Kauf eines Elektroautos abhalten. Denn im Vergleich zu anderen Ländern wird die Anschaffung eines umweltfreundlichen Stromers vergleichsweise gering vom Staat unterstützt. Und zu den meist deutlich höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem Verbrennermodell kommt dann oft noch eine eingeschränkte Alltagstauglichkeit, weil das Netz der öffentlichen Ladestationen in Deutschland noch recht überschaubar ist und die Fahrzeuge selbst nur eine eingeschränkte Reichweite besitzen.

Der Ford Focus Electric: Massentauglicher Kompaktwagen?

So nach und nach treten jedoch immer mehr Klein- und Kompaktwagen an, die Elektromobilität endlich attraktiver zu machen. Der Smart Fortwo electric drive zählt schon seit Längerem dazu. Seit diesem Sommer mischen aber auch neue Modelle wie der Renault Zoe oder der Ford Focus Electric mit. Mit verständlicher und bezahlbarer Technik fassen sie eine deutlich größere Zielgruppe ins Auge als Luxus-E-Schlitten wie das Tesla Model S.

Der Testwagen ist kaum als Elektroauto erkennbar

Huch? Das Auto kennt man doch. Der Ford Focus Electric ist auf den ersten, flüchtigen Blick kaum von den bekannten Modellvarianten des Focus zu unterscheiden. Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich aber doch kleine Designdifferenzen. So wirkt die Front des Elektroautos ein wenig bulliger als bei den Brüdern, die wie gewohnt Kraftstoff verbrennen. Und die Tankklappe, hinter der der Anschluss für das Stromkabel wartet, ist nach vorne verlegt worden. Ein nettes Gimmick ist der sie umgebende LED-Ring, der den Ladefortschritt visuell verdeutlicht.

Innenraumdesign und Platzangebot

Auch im Interieur warten keine großen Überraschungen. Das unaufgeregte Design unterscheidet sich mit Ausnahme des neuen großen Kombiinstruments nicht von den bekannten Focus-Varianten. Die Sitzposition ist sportlich tief, die Sitze sind gut gepolstert, für manch einen Fahrer aber vielleicht etwas kurz.

Eine deutlichere Einschränkung erwartet Käufer des Ford Focus Electric jedoch auf in Bezug auf das Platzangebot. Der Litihium-Ionen-Akku, der 23 kWh speichert und ein Gewicht von 272 Kilogramm auf die Waage bringt, ist nämlich im Heck des Fahrzeugs untergebracht und lässt das Kofferraumvolumen schrumpfen. Nicht unerheblich ist auch das Mehrgewicht von 110 Kilogramm, das der E-Focus im Vergleich zum ähnlich motorisierten Diesel mit 140 PS mitbringt. Geht dies zulasten der Fahrdynamik?

Fahrgefühl und Reichweite des kompakten Stromers

Flüsterleise startet der 145 PS starke Synchronmotor des Ford Focus Electric und beschleunigt den Stromer souverän bis Tempo 100. Danach wird es etwas zäh: Zugunsten der Reichweite ist die Höchstgeschwindigkeit nämlich auf 135 km/h begrenzt. Eine Autobahnfahrt ist also mal drin, wohler fühlt sich der Testwagen aber auf der Landstraße und in der Stadt.

Wesentlich in puncto Alltagstauglichkeit ist aber auch die Reichweite des Ford Focus Electric. Obwohl der Hersteller 162 Kilometer verspricht, sind diese selbst unter Idealbedingungen kaum zu erreichen. Bei schlechtem Wetter gar könnte die Reichweite auf unter 100 Kilometer fallen. Wer dann allerdings nur behutsam mit dem Gaspedal umgeht oder beim Bremsen ins Display schaut, der wird dort eine zunehmende Anzahl an Schmetterlingen bemerken - mit jedem hinzugewonnenen Kilometer an Reichweite einer mehr.

Mit diesem Schmetterlingseffekt will Ford verdeutlichen, dass kleine Änderungen der Fahrweise große Auswirkungen auf Umwelt und Geldbeutel haben können. Der wird übrigens mit 39.990 Euro bei der Anschaffung des Ford Focus Electric belastet.

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