Sieht gut aus, ist aber nicht wirklich schnell: Der Ford Mustang ist eine Ikone im Autobau und gilt eher als Cruiser denn als Racer. Die sechste Generation kann auch richtig flott sein – und ist obendrein ein echtes Schnäppchen. Eine Ausfahrt.

Dieser Mustang ist eigentlich ein Pony – und das schon seit 1964. In diesem Jahr erfand Ford mit dem Mustang die Gattung der Ponycars. Seitdem heißen so Coupés oder Cabrios mit kompakten Abmessungen und starken Motoren. Bis heute hat Ford 9,3 Millionen Exemplare des Mustang gebaut. Nun erstmals offiziell in Europa erhältlich, nachdem er mehr als ein halbes Jahrhundert nur als US-Grauimport zu haben war.

Dabei schwächelte die Legende zwischendurch gehörig. In den 1980er und 1990er Jahren ließen fragwürdiges Design und uninspirierte Technik den Mythos bröckeln, ein liebloser Innenraum machte alles noch schlimmer. 2004 folgte schließlich der Befreiungsschlag. Die fünfte Generation orientierte sich mit kantiger Karosse und muskulösem Auftritt endlich wieder am Original.

Da ist es nur logisch, dass Ford auch der neuen sechsten Generation jede Menge Gene des Ur-Mustangs implantiert. Die Retro-Tour beginnt schon beim Anblick: Nummer sechs greift typische Stilmittel wie den massiven Kühlergrill, die endlos lange Motorhaube mit den markanten Powerdomes und die dreigeteilten Rückleuchten auf und signalisiert eindeutig seine Familienzugehörigkeit.

Ford Mustang: Jetzt macht sogar der Innenraum Spaß

Weiter geht’s beim Einstieg, wenn Lämpchen in den Seitenspiegeln einen Mustang im vollen Galopp auf den Fahrzeugboden projizieren. Das Interieur überrascht positiv mit – bei vorhergegangenen Generationen nicht selbstverständlicher – sauberer Verarbeitung sowie Liebe auch im Detail. So rastet der Lautstärkeregler des Entertainmentsystems in jeder Stufe sauber ein, Anordnung und Anmutung der Bedienknöpfe sind im Stile eines Kampfjets gehalten. Ford-typisch ist das Lenkrad mit zahlreichen Schaltern überfrachtet, die eher für Verwirrung als für intuitive Bedienbarkeit sorgen.

Doch die wird Mustang-Fans ziemlich egal sein, das urwüchsige Fahrverhalten und der bärige V8 sind wohl die beiden Hauptargumente. Der Achtzylinder-Benziner ist eine Weiterentwicklung des Aggregats aus dem Vorgängermodell und wartet mit Eckdaten auf, die man getrost ebenfalls als retro bezeichnen darf: Insgesamt acht Brennkammern verfügen über fünf Liter Hubraum und leisten 421 PS. Bei Bedarf leitet der Motor bis zu 530 Nm Drehmoment an die Hinterachse.

So klingt der Wagen schon beim Anlassen nach Kraft, nach typischem Achtzylinder. Allerdings enttäuscht das Aggregat akustisch ein wenig, denn krachend, testosteronschwanger und eine Prise ordinär röhrt der Mustang nicht, Puristen könnten da zu wenig Archaik monieren. Als klassischer Saugmotor ohne jegliche Turbo-Aufladung liebt der Motor Drehzahlen. Der Hersteller rechnet damit, dass sich etwa zwei Drittel der Mustang-Käufer für ihn entscheiden werden.

Ford Mustang: Die meisten Kunden kaufen V8

Das ist folgerichtig bei einem so emotionalen Auto. Mit rationalen Kriterien ist es unmöglich, einem Wagen im Jahr 2015 zu begegnen, der im Fahrbetrieb 14 bis 15 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrennt und irrwitzige 299 Gramm CO2 pro Kilometer in die Umwelt bläst. Durchschnittlich wohlgemerkt, wer oft durch die Stadt und vor die Eisdiele reitet oder gerne mal schnell unterwegs ist, muss mit deutlich höheren Verbräuchen rechnen.

Ford will in diesem Jahr in Deutschland 3.000 Exemplare verkaufen, sodass sich etwa 1000 Menschen für den zweiten verfügbaren Motor entscheiden werden. Der ist immer noch kein Blauer Engel, aber deutlich zeitgemäßer als V8. Der Basismotor ist mit vier Zylindern lediglich halb so voluminös wie der große Bruder, verfügt aber bei 317 PS über eine deutlich höhere Literleistung. Zudem ist sein Durchzug dank Turboaufladung flott und sein Durst mit etwa zehn Litern wenigstens halbwegs den Nachbarn aus dem Holzhaus plausibel zu machen. Aus Sportfahrer-Kreisen ist zudem zu vernehmen, dass der leichte Vierzylinder im Bug auf der Rennstrecke dem Mustang zu einem besseren Handling verhilft als der fette V. Doch auch bei einer Probefahrt auf öffentlichen Straßen ist der komplett andere Charakter der ungleichen Brüder spürbar. Während der Vierzylinder wie ein wendiges Schnellboot wieselt, erinnert der Achtender eher an einen gediegenen Gran Tourismo: souverän, kräftig und mit hohem Wow-Faktor.

Klar, der Vierzylinder-Klang ist für Menschen, die sich am Alten erfreuen ein Witz und wird noch erbärmlicher eingedenk der Tatsache, dass ein Soundgenerator im Innenraum zusätzlich nachhilft. Wenigstens die Mechaniker in der Werkstatt dürften sich freuen: Im riesigen Bug wirkt der kompakte Vierzylinder geradezu verloren im Vergleich zu dem massiven Block mit acht Brennkammern.

Ford Mustang: Fahrwerk ist endlich konkurrenzfähig

Beiden Varianten ist gleich, dass ihr Fahrverhalten allgemein deutlich besser ist als beim hübschen, aber rumpeligen Vorgänger. Dabei zaubert Ford nicht, sondern verbaut lediglich eine längst übliche Einzelradaufhängung. Bisher hielten die Mustang-Ingenieure stur an der antik anmutenden Starrachse mit Blattfedern fest. Entsprechend chancenlos war das Auto im Vergleich zur Sportwagen-Konkurrenz. Nun ist der Mustang endlich wettbewerbsfähig.

Und die Preise für den Mustang sind geradezu günstig. Mindestens 35.000 Euro kostet ein Vierzylinder, für 40.000 Euro gibt es schon den Achtzylinder. Wer Cabrio statt Coupé fahren will, muss 5.000 Euro Aufpreis zahlen. Dabei ist der Wagen schon serienmäßig üppig ausgestattet: Elektrisch verstellbare Ledersportsitze, eine Klimaautomatik, die Rückfahrkamera und ein brauchbares Audio-System sind stets an Bord. Für nochmal 2.500 Euro mehr sind unter anderem zusätzlich ein Navigationssystem, eine digitale Schnittstelle für mobile Endgeräte mit Acht-Zoll-Touchscreen und klimatisierte Vordersitze verbaut.

So bietet Ford nun eigentlich zwei Fahrzeuge unter dem Namen Mustang, einen Vierzylinder-Sportler und einen V8-Cruiser. Spaß machen beide auf ihre Art und sind obendrein relativ günstig. Und die Aura, ein Stück blechgewordenen amerikanischen Traum zu fahren, ist umsonst dabei, wenn das Pony durch die Straßen galoppiert.

Technische Daten

Motor: 2,3-Liter-Ottomotor, vier Zylinder
Leistung: 233 kW (317 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h
Normverbrauch: 8,0 Liter je 100 km (Cabrio: 8,2)
Preis: ab 35.000 Euro

Motor: 5,0-Liter-Ottomotor, acht Zylinder
Leistung: 310 kW (421 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Normverbrauch: 13,5 Liter je 100 km (Cabrio: 13,6)
Preis: ab 40.000 Euro

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