Elektroautos haben es in Deutschland nicht leicht. Dabei bringt der Renault Zoe das Zeug zum massentauglichen, weil endlich bezahlbaren, Stromer mit. Mit welchen Stärken er auf Käuferfang gehen will, warum es aber selbst überzeugten Käufern misslingen könnte, den französischen Weltverbesserer zu bekommen, lesen Sie im Test.

Norwegen ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Deutschland. So könnten wir uns auch im Umgang mit Elektroautos eine Scheibe von den Skandinaviern abschneiden. Dort wird der Kauf von Stromern nämlich staatlich gefördert, der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist vorbildlich, und auch sonst genießen die Besitzer von E-Autos zahlreiche Vorteile.

Deutschland ist da noch nicht so weit, obwohl die Politik an ihrem ehrgeizigen Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 festhält. Noch ist das Ziel allerdings in weiter Ferne, 2012 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerade einmal 2.956 Elektroautos neu zugelassen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die umweltfreundlichen Pkw im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor teurer in der Anschaffung sind und das öffentliche Netz an Ladestationen noch zu Wünschen übrig lässt.

Der Renault Zoe tritt an, die Welt zu verbessern

Mit dem Renault Zoe bietet der französische Hersteller seit Juni 2013 auch hierzulande ein Elektroauto an, das den Preisvergleich mit gewöhnlichen Pkw nicht scheut. Der Stromer auf Renault-Clio-Basis kostet 21.700 Euro aufwärts, wozu man allerdings noch eine monatliche Leasingrate für die Lithium-Ionen-Batterie hinzuaddieren muss. Das macht noch einmal 79 bis 122 Euro im Monat, dafür gewährleistet Renault, dass der Akku immer mindestens 75 Prozent seiner 22 kWh an Kapazität aufweist - ansonsten liefert der Hersteller Ersatz.

Darüber hinaus punktet der Renault Zoe natürlich mit niedrigen Unterhaltskosten. Eine Akkuladung schlägt aktuell mit rund fünf Euro zu Buche, und Kosten für viele Wartungsarbeiten kann sich der Halter sparen. Denn Öl-, Zündkerzen- oder Zahnriemenwechsel fallen beim Stromer nicht an.

Reichweite lässt noch zu wünschen übrig

Wer in den modern und gefällig designten, im Inneren auf das Wesentliche reduzierten Kleinwagen einsteigt und auf den Startknopf drückt, wird vielleicht kurz das erwartete Motorengeräusch vermissen. Aber spätestens beim Tritt aufs Gaspedal, wenn der Renault Zoe mit seinen 220 Nm vom Fleck weg sprintet, weint keiner den kompakten Verbrennern eine Träne mehr nach.

So vergehen nur vier Sekunden, bis der Zoe Tempo 50 erreicht hat - nahezu lautlos, versteht sich. Die für Elektroautos typische Spurtstärke ist allerdings nur bei Stadttempo spürbar, bei höheren Geschwindigkeiten müht sich der 88 PS starke Elektromotor doch etwas ab mit dem 1,5-Tonner. Dank des tiefen Schwerpunktes lassen sich zwar auch schnellere Kurven sportlich nehmen, die Höchstgeschwindigkeit des Stromers ist zugunsten der Reichweite allerdings auf 135 km/h begrenzt. Die beträgt laut Hersteller 220 Kilometer, im Test schafft der Renault Zoe allerdings nur 150. Außerdem ist zu berücksichtigen: Je kälter es wird, desto kürzer hält die Batterie.

Merkwürdige Verkaufspolitik

Ob aus Kundenfreundlichkeit oder anderen Gründen: Wer sich für den Renault Zoe interessiert, kann nicht einfach zum Händler gehen und ihn sich kaufen. Zuvor ist ein vom Hersteller erdachter Test zu absolvieren. Dabei arbeitet der Händler eine Checkliste mit dem Interessenten ab, um zu prüfen, ob Auto und Käufer auch wirklich zueinanderpassen. Geben Sie an, dass Sie häufig Langstrecke fahren oder keine Möglichkeit haben, die mitgelieferte Ladestation "Wall-Box" Zuhause zu installieren, rät der Händler vom Kauf ab. Den Weg zum Volumenmodell wird der Renault Zoe so wohl eher nicht beschreiten.

Weitere Themen
Renault Zoe im Test: Französischer Weltverbesserer ist nicht für jeden zu haben