Wer sich hierzulande zu den Vielfahrern zählt, entscheidet sich häufig für einen Diesel. Hybrid-Modelle wie der Toyota Auris Hybrid führen in Deutschland nach wie vor ein Nischendasein, während sie in anderen Ländern, wo Diesel kaum Akzeptanz finden, als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Benziner gelten. Zurecht, wie der Test zeigt.

Ein weiterer Rivale für den VW Golf 7

Seit Januar 2013 ist der Toyota Auris in seiner zweiten Generation erhältlich und muss sich seitdem - wie alle Kompaktwagen - mit dem Klassenprimus VW Golf messen lassen. In Sachen Optik können die meisten Rivalen des Wolfsburger Bestsellers damit punkten, dass den Designern etwas freiere Hand bei der Gestaltung gelassen wird. Designexperimente sind bei einem VW Golf nicht zu finden.

Der neue Toyota Auris Hybrid hingegen ist in der zweiten Generation deutlich auffälliger geworden. Der zuvor ebenfalls recht zurückhaltend designte Kompaktwagen hat nun mehr Kanten und Konturen bekommen, wurde insgesamt gestreckt und wirkt dadurch um einiges dynamischer. Gefällig ist auch die Frontpartie mit ihrer glänzenden Chromspange im Kühlergrill und den LED-Tagfahrlichtern in den schmal gezeichneten Scheinwerfereinheiten.

Keine Pluspunkte für das Interieur-Design

Das vielversprechende äußere Design des getesteten Toyota Auris Hybrid setzt sich im Innenraum nicht fort. Dort hätten die Gestalter gerne mutiger vorgehen dürfen. Im Vergleich mit dem VW Golf in puncto Materialien und Verarbeitung zieht der Japaner so den Kürzeren. Immerhin ist das Infotainment-System auf dem neuesten Stand der Technik. Per Touchscreen lassen sich aus dem Auto nun zum Beispiel Twitter-Nachrichten posten.

Weitere wichtige Testkategorie im Innenraum: das Platzangebot. Hier haben die Toyota-Ingenieure klug gehandelt und die Lithium-Ionen-Batterieeinheit, die den Elektromotor mit Energie versorgt, unter die Rücksitze befördert. Das senkt nicht nur den Schwerpunkt des Kompaktwagens und verbessert so seine Fahreigenschaften, sondern schafft auch Platz im Kofferraum. Ohne umgeklappte Rücksitzbank lassen sich nun 360 Liter Gepäck im Toyota Auris Hybrid verstauen - fast so viel wie im VW Golf 7, dessen Kofferraum 380 Liter fasst.

Hybrid-Antrieb im Toyota Auris setzt Maßstäbe

Angetrieben wird der Toyota Auris Hybrid von einem 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 99 PS und einem Elektromotor mit 82 PS. Die Systemleistung beträgt 136 PS. Im Sinne der Effizienz haben die Ingenieure den Wirkungsgrad des Motors erhöht. Dies geht zulasten der Leistung und des Drehmoments, ermöglicht aber einen Normverbrauch von 3,8 Litern laut Hersteller. Ein vergleichbar motorisierter VW Golf 7 mit 140 PS soll im Schnitt mit rund fünf Litern auskommen.

Damit der Spritspareffekt auch zum Tragen kommt, muss man das Fahren in einem Hybrid neu lernen. Denn es sind nicht gleichmäßige Fahrten bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn, bei denen der Hybrid seine Stärken gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmaschinen ausspielen kann. Vielmehr punktet das Antriebskonzept bei ständigem Anfahren und Anhalten in der Stadt, das der Elektromotor übernimmt. Da rein elektrisch nur zwei Kilometer bei bis zu 50 km/h möglich sind, springt der Benziner kaum merklich an und arbeitet mit. Das alles funktioniert reibungslos, leise und harmonisch.

Das Fahrgefühl hat sich im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert. Das Fahrwerk des Toyota Auris Hybrid ist nun straffer abgestimmt, der Wagen liegt näher an der Straße und die Lenkung arbeitet direkter. Dadurch wird der Japaner insgesamt agiler und leichtfüßiger. Die neue Generation macht also mehr Spaß - bei gleichzeitigem Spritsparwillen. Preislich startet der getestete Toyota Auris Hybrid bei 23.300 Euro. Ein vergleichbar motorisierter und ausgestatteter VW Golf 7 kostet mindestens ebenso viel - verbraucht dann aber mehr.

Weitere Themen
Toyota Auris Hybrid im Test: So macht Spritsparen endlich Spaß