Ganze 12 Jahre lang hat Honda das Feld der Kompakt-Kombis anderen Marken überlassen. Mit dem Honda Civic Tourer kehrt der japanische Hersteller im Februar 2014 zurück ins hart umkämpfte Segment und fordert seinen Teil vom Kuchen. Welche Argumente für den Kombi-Neuling aus Fernost sprechen, klärt ein Test.

Da Kombis speziell in Europa sehr gefragt sind, erweitert Honda das Angebot um seinen Kompaktwagen und VW Golf-Konkurrenten Honda Civic. Die Tourer-Variante ist insofern zwar gänzlich neu, dass es sich um den ersten Kompakt-Kombi der Marke seit zwölf Jahren handelt. Bis zur B-Säule ist die neue Variante allerdings mit dem bekannten Fünftürer identisch. Und auch designtechnisch lassen sich innen wie außen deutliche Ähnlichkeiten erkennen.

Honda Civic Tourer: Außen kompakt, innen riesig

Der Honda Civic Tourer tritt also mit dem vom Schrägheckmodell bekannten sportlichen, dennoch leicht polarisierenden Außendesign auf. Neu ist das knackig gestaltete Heck, das sich durch seinen langen Überhang auszeichnet. Der Radstand wurde nämlich vom Fünftürer übernommen. Nur das Heck wurde verlängert, sodass der Tourer auf eine Gesamtlänge von 4,54 Metern kommt. Klar, dass man da eine Menge Stauraum zur Verfügung hat.

Insbesondere das Ladeabteil des Honda Civic Tourer weiß zu überzeugen. Mit einem Kofferraumvolumen von 624 bis 1.668 Litern kann kein anderer Kompakt-Kombi auf dem deutschen Pkw-Markt derzeit mithalten. Selbst der VW Golf Variant schluckt "nur" 605 bis 1.620 Liter Gepäck. Praktische Details: Unter dem Ladeboden versteckt der Honda ein weiteres Staufach und dank seiner niedrigen Ladekante lässt er sich äußerst bequem beladen.

Stärken und Schwächen des Tourer-Interieurs

Auch die Insassen müssen sich nicht quetschen. Auf allen Plätzen kommen die Mitfahrer bequem unter. Das Highlight im Innenraum ist allerdings eine raffinierte Idee des Herstellers: die sogenannten Magic Seats. Die Sitze der hinteren Reihe lassen sich wie Kinositze hochklappen, wenn hinten niemand mitfährt. Dann können sperrige Gegenstände wie zum Beispiel ein Fahrrad ohne Umklappen der Rücksitzbank mitfahren.

Ansonsten ist das Interieur nahezu identisch mit dem Honda Civic Fünftürer. Die Armaturen und Polster sind ordentlich verarbeitet, die Anordnung der Schalter im Cockpit bekannt. Allerdings ist diese nicht uneingeschränkt praktisch. Einige Knöpfe sind etwas schwer zu erreichen, andere wiederum könnten aus Versehen beim Schalten mit dem weit vorne angebrachten Schalthebel betätigt werden.

Basismotorisierung: 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS im Test

Das Motorenangebot hält sich zum Marktstart im Februar 2014 noch stark in Grenzen. Außer dem getesteten 1,6-Liter-Diesel ist bislang nur ein 142 PS starker 1,8-Liter-Benziner erhältlich. Für Vielfahrer dürfte aber der Selbstzünder die bessere Wahl sein. Dank der 300 Nm Drehmoment und der für einen Diesel beachtlichen Drehfreude kann man sich mit dem Honda Civic Tourer flott im Alltagsverkehr bewegen. Der 1,5-Tonner beschleunigt in moderaten 10,1 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei höheren Autobahngeschwindigkeiten dann zunehmend lauter und rauer. Geht es zu sehr bergauf, geht dem Kombi sogar leicht die Puste aus.

Ein Sportler ist der Tourer also nicht, auf der Langstrecke punktet er dafür umso mehr. Die Fahrwerksabstimmung ist Honda gut gelungen und mit dem optionalen adaptiven Dämpfersystem für die Hinterachse lassen sich für jede Situation die passenden Fahrwerkseinstellungen wählen. Der Verbrauch soll laut Hersteller bei 3,8 Litern liegen, bewegt sich in der Praxis aber eher im Bereich von fünf Litern. Für mindestens 21.550 Euro erhält man also ein sparsames wie praktisches Alltagsauto, das sich mit der empfohlenen Zusatzausstattung preislich aber schon auf einem Niveau mit dem VW Golf Variant befindet.

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