Jetzt kann der Urlaub kommen: Die Vorfreude ist groß, die Reise organisiert, das Auto präpariert. Jetzt fehlen zum vollkommenen Reise-Glück nur noch freie Straßen.

Doch oft bleibt es in der Hauptreisezeit bei diesem Wunsch, denn die Radiomoderatoren rattern in der schönsten Zeit des Jahres die Staumeldungen im Radio nur so runter. Jeder von uns musste schon einmal Zeit im Auto totschlagen, weil auf der Straße einfach nichts mehr ging – doch wie entsteht eigentlich so ein Stau?

Vereinfacht ausgedrückt: Eine Straße kann eine bestimmte Kapazität an Fahrzeugen in einer bestimmten Zeit verkraften. Wenn diese überschritten wird, kommt es zum Stau. Angeblich kann eine Fahrspur pro Stunde zwischen 1.500 und 2.500 Fahrzeugen stemmen, wenn diese mit einer Geschwindigkeit zwischen 80 und 100 km/h pro Stunde fahren. Wichtig: Verlangsamen die Fahrzeuge das Tempo, nimmt die Kapazität ab - das gleiche passiert, falls die Autos und andere Fortbewegungsmittel den optimalen Tempobereich nach oben hin verlassen.

Faktor Mensch

Was sind die Ursachen für Stau? Ein wichtiger Punkt sind Baustellen, Fahrbahnverengungen und ähnliche Nadelöhre.

Dazu noch das so oft zitierte erhöhte Verkehrsaufkommen durch Reise- und Berufsverkehr. Noch bedeutender ist der Faktor Mensch: Erstens ist dieser natürlich kein perfekter Autofahrer, er macht also Fehler.

Zweitens legt er bedenkliche Untugenden wie zum Beispiel das Gaffertum an den Tag - dafür kann sogar ein Bußgeld fällig werden. Hinzu kommen Faktoren, die die Kapazität einer Straße negativ beeinflussen können, wie zum Beispiel Regen. Solche Witterungseinflüsse sorgen dafür, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt und damit die Staugefahr ansteigt.

Kein Entrinnen

Staus sorgen, wie uns immer wieder vorgehalten wird, für einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden – jährlich werden so Milliarden von Euro verbrannt und das allein in Deutschland.

Deswegen beschäftigen sich zahlreiche Wissenschaftlicher mit dem Phänomen Stau, um die Gründe für das Entstehen herauszufinden und um Abhilfen zu schaffen. Beispielsweise durch das Optimieren von Staumeldern, die uns auf Navis und Handys den Weg aus der Misere zeigen sollen oder uns im optimalen Fall erst gar nicht in die Blechlawine steuern und sie stattdessen zu umfahren helfen.

Eines ist jedoch klar, vermeiden lassen sich Staus nicht. Nicht durch die besten Staumelder oder technischen Hilfen. Mit Hilfe von Ampeln an Autobahnauffahrten (Pförtnerampeln), wie wir sie zum Beispiel im Ruhgebiet finden, lässt sich der Verkehr jedoch regulieren.

Dazu kommt die Steuerung durch die Verkehrsleitsysteme, die die optimale Geschwindigkeit ermitteln und Überholverbote anzeigen. Primär geht es den Verkehrsplanern jedoch darum, durch Staumelder und Verkehrsmeldungen die Autofahrer auf die Zeit einzustellen, die sie im Stau verbringen werden.

Gefürchtete Kettenreaktion

Es gibt verschiedene Modelle, die die Entstehung eines Staus erklären sollen. Der wichtigsten Theorie zufolge reicht schon das Bremsmanöver eines einzelnen Autos aus, um die berühmte Kettenreaktion in Gang zu setzen und den Stau aus dem Nichts zu kreieren. Der erste bremst schwach, der nächste schon stärker und so weiter, schließlich kommt es zum Stillstand.

Im gleichen Zug dauert das Wiederanfahren der Autos länger als die Bremsmanöver und schon haben wir eine Stauung des Verkehrs. Mit einer Geschwindigkeit von gut 15 km/h breitet sich der Stau jetzt entgegen der Fahrtrichtung aus. Das Bittere: Die Verursacher bekommen davon nichts mit und hören nur in den Verkehrsmeldungen davon. Und die, die darunter leiden, erkennen die Ursache nicht, weil es ja keinen ersichtlichen Anlass wie zum Beispiel einen Unfall gibt.

Wir regen uns meistens schon auf, wenn wir mal für ein paar Minuten im zähfließenden Verkehr festhängen, uns der Staumelder warnt oder im Radio die Staumeldungen hören. Doch wie werden dann wohl erst die Autofahrer geflucht haben, die im Jahr 1980 zwischen Lyon und Paris auf 176 Kilometer Länge mit ihren Autos in einer Blechschlange standen? In so einem Fall interessiert es dann wohl auch keinen mehr, wie dieses Monstrum zustande kam.

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Wie entsteht ein Stau?