Deutsche Großstädte kämpfen anhaltend gegen schlechte Luft: Dabei könnten grüne Wellen bei der Ampelschaltung die Luftverschmutzung erheblich senken. Doch um den Verkehr flüssig zu halten, brauchen Verkehrsplaner jede Menge Technik. Zukünftig könnten intelligente Netzsteuerungen für freie Fahrt und weniger Abgase sorgen.

Wer mit dem Auto in einer deutschen Großstadt unterwegs ist, weiß, was es heißt, das Stadtgebiet von einem Ende zum anderen zu durchqueren: endlose Rotphasen an Ampeln, ständiger Rückstau und jede Menge Stress. Hinzukommt, dass Fahrzeuge, die ständig anhalten und wieder anfahren müssen, ein Vielfaches an Stickoxiden und Rußpartikeln ausstoßen, als sie es bei gleichmäßiger Fahrt tun würden. Das Ergebnis kann man bei jeder Luftmessung während der Stoßzeiten erleben: Die Schadstoffgrenzen werden mit Regelmäßigkeit überschritten. Dabei könnte man viele Hauptverkehrsadern in den Städten mit sogenannten "grünen Wellen" ausrüsten – wer mit angepasster Geschwindigkeit gleichmäßig von Ampel zu Ampel fährt, hat immer freie Fahrt.

Grüne Wellen können Stickoxid-Ausstoß um ein Drittel senken

Das ist zum einen deutlich nervenschonender und wer auf der Straße fährt, kommt auch deutlich schneller voran. Doch hier liegt nicht der einzige Vorteil eines flüssigen Verkehrs: Bei gleichmäßiger Fahrweise mit niedrigen Drehzahlen arbeiten Verbrennungsmotoren effizient, verbrauchen besonders wenig Sprit, stoßen am wenigsten Schadstoffe aus und machen darüber hinaus auch am wenigsten Krach. Wenn künftig mehr Fahrzeuge im Straßennetz unterwegs sind und nicht an der Ampel stehen, können Luftschadstoffe spürbar reduziert werden, sagt der ADAC und beruft sich auf Testergebnisse von Verkehrsexperten.

Diese haben gezeigt, dass der Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Stickoxiden bis zu einem Drittel (33 Prozent) gesenkt werden kann, wenn die Ampelanlagen aufeinander abgestimmt sind und der Verkehr flüssig gehalten werden kann. Sogar die Emission von Rußpartikeln ging bei dem Test um 27 Prozent zurück, der CO2-Ausstoß verringerte sich um immerhin 15 Prozent. Derartige Ampelschaltungen sind allerdings nicht so einfach umzusetzen: Der Startpunkt, sowie die einzelnen Entfernungen zwischen den Ampeln müssen bekannt sein, auch die Verkehrsdichte und die gefahrene Geschwindigkeit sind Teil der Rechnung. Und: Wegen unterschiedlicher Abstände der Kreuzungen funktioniert eine grüne Welle nur in einer, nie in beiden Richtungen.

Kann künstliche Intelligenz den Verkehrsplanern helfen?

Die Störfaktoren in einem solchen System sind naturgemäß zahlreich: Ein- oder abbiegende Autos verlangsamen den Verkehr. Fahrzeuge, die in der zweiten Reihe parken, tun dies ebenfalls. Sollte eine der Induktionsschleifen, die für die Erkennung der Pkw zuständig sind, nicht funktionieren, arbeitet das System auch nicht mehr korrekt. Dass die grüne Welle auch nicht mehr funktioniert, wenn sich aufgrund von Umleitungen oder neuen Wohngebieten die Verkehrslage ändert, ist ein weiteres Hindernis. Und dann kommt auch noch die Bevorzugung von Bussen und Straßenbahnen hinzu, die eine freie Fahrt stören können.

Ist das Thema mit der grünen Welle dann überhaupt noch umzusetzen? Vielleicht schon bald: Verkehrsplaner sehen große Chancen in der Entwicklung von Ampelsteuerungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz selbst dazu lernen und sich so immer wieder an neue Verkehrssituationen anpassen können. Voraussetzung dafür ist natürlich eine technische Aufrüstung. Kommen digital vernetzte Fahrzeuge hinzu, ließe sich in Zukunft ein effizientes Verkehrsleitsystem entwickeln, in dem die meisten fahren und nur wenige stehen müssen, da die Systeme untereinander kommunizieren könnten.

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