BMW und Audi wollen ihre Euro-5-Diesel nachrüsten, um drohende Fahrverbote zu vermeiden. Parallel rät der ADAC Autokäufern, sich aktuell keinen Diesel anzuschaffen und bis zur Einführung der neuen Abgasnorm Euro 6D zu warten. Alle Infos.

Die Diesel-Debatte um mögliche Fahrverbote zieht immer weitere Kreise. Nun rät sogar der ADAC Käufern, sich vorerst keinen Diesel anzuschaffen und zu warten, bis die neue und strengere Abgasnorm Euro 6D im Herbst eingeführt wird. BMW und Audi suchen unterdessen das Gespräch mit der bayerischen Landesregierung. Beide Hersteller wollen Euro-5-Diesel nachrüsten und mit einer neuen Motorsoftware drohende Fahrverbote umgehen und die Stickoxidemissionen verringern.

Verbraucher sollten bei Diesel-Modellen vorsichtig sein

ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker sagte gegenüber der Zeitung "Die Zeit": "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen". Autofahrer könnten sich bei der aktuellen Lage und immer neuen Abgastests, bei denen geschönte und manipulierte Schadstoffwerte ans Tageslicht kommen, derzeit einfach nicht sicher sein.

Mit Stuttgart, Hamburg und München prüfen derzeit unter anderem drei Großstädte eventuelle Dieselverbote in den Innenstädten, um die Feinstaubbelastung für die Bewohner zu reduzieren. Aufgrund der Falschangaben der Hersteller sei die tatsächliche Belastung durch die Dieselabgase deutlich höher als gedacht, weshalb jetzt gehandelt werden müsse. Die Idee: Ältere Diesel, unter anderen Euro-5-Diesel, sollen für Innenstädte verboten werden.

Viele Diesel-Fahrer sind ratlos

Der ADAC sieht den Schaden vor allem beim Verbraucher. Becker in "Die Zeit": "Uns erreichen täglich Hunderte, manchmal Tausende Anfragen von Mitgliedern, wie man sich jetzt am besten verhalten sollte." Dabei müssten bereits Halter von zwei Jahre alten Diesel-Fahrzeugen bereits mit Einbußen rechnen - sei es beim uneingeschränkten Fahrbetrieb oder bei den fallenden Gebrauchtwagenpreisen für Diesel-Modelle.

Auch Ferdinand Dudenhöffer, Leiter Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, sieht die derzeitige Entwicklung sehr kritisch. Bei einem Test zusammen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt stellten die Experten fest, dass es selbst um die Euro-6-Diesel nicht besser steht. Von 83 getesteten Modellen hielten nur sechs die aktuellen Abgasgrenzwerte im realen Fahrbetrieb ein. Wer sich jetzt für ein solches Fahrzeug entscheiden würde, kaufe "die Katze im Sack".

Audi und BMW wollen Diesel sauberer machen

Unterdessen haben BMW und Audi gemeinsam mit der bayerischen Landesregierung über entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation gesprochen. Beide Hersteller wollen ihre Euro-5-Diesel mit einer neuen Motorsoftware nachrüsten, um drohenden Diesel-Fahrverboten aus dem Weg zu gehen. Laut "Spiegel" könnten rund 50 Prozent der Euro-5-Diesel beider Hersteller nachgerüstet werden, was zu einer signifikanten Verbesserung der Luftreinheit führen würde.

Die Frage, wie die Umrüstung finanziert werden soll, wurde unterdessen noch nicht geklärt. Die Hersteller erhoffen sich von der bayerischen Landesregierung finanzielle Unterstützung. Diese wiederum sieht darin laut "Spiegel" ein Thema für anstehende Koalitionsverhandlungen. Eine schnelle Umsetzung ist also nicht in Sicht. Im August wollen sich Vertreter sowohl aus Politik als auch Industrie noch einmal zusammensetzen. Klar ist jedoch auch, dass eine Nachrüstung nicht auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen werden könnte, da dies mit einem erheblichen Imageschaden bei den Automobilherstellern verbunden wäre. Neben BMW und Audi arbeitet derzeit auch Daimler an einer effektiven Software-Lösung.

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