Wer einem anderen Auto folgt, wird hin und wieder unfreiwillig zum Verkehrsrüpel. Doch warum passiert das ausgerechnet beim Hinterherfahren und was kann man dagegen tun? In diesem Ratgeber erhalten Sie nützliche Tipps, um nicht aus Versehen zum Straßenrowdy zu werden.

Kennen Sie das auch? Ein Bekannter sagt Ihnen, Sie sollen seinem Auto hinterherfahren, er kenne den Weg ohnehin besser und ein Navigationsgerät werde dann so oder so nicht gebraucht. Das Problem an der Sache ist: Wer einem anderen Fahrzeug folgt, wird meist unfreiwillig zum Raser: "Wenn man einem anderen Auto folgt, kommt es oft zu riskanten Manövern" , sagt auch Dr. Ralf Buchstaller vom TÜV Nord. Doch woran liegt es?

Studie zeigt: Hinterherfahren sorgt für rücksichtsloses Verhalten

Diese Verhaltensweise haben Forscher um Jaimie McNabb kürzlich in der Fachzeitschrift "Frontiers in Psychology" untersucht. Dazu verwendeten die Experten einen Fahrsimulator, der die Probanden in die besagte Situation versetzte. Zunächst konnten diese sich mit dem Gerät eine Weile vertraut machen, um anschließend die Aufgabe zu bekommen, einem Auto vor ihnen zu folgen – natürlich immer unter Einhaltung aller Verkehrsregeln wie etwa roten Ampeln, querenden Fußgänger und Geschwindigkeitslimits.

Eine Hälfte der Probanden sollte sich zunächst von einem Navigationssystem führen lassen, erst danach dem Auto des Freundes folgen. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer bekam die gleichen Aufgaben, musst diese aber in umgekehrter Reihenfolge ausführen. Das Ergebnis war für die Forscher eindeutig: Sobald die Fahrer einem anderen Fahrzeug folgten, beschleunigten sie schneller, ließen weniger Abstand zum Vordermann und wechselten schneller die Fahrspuren, als bei der Fahrt mit dem Navi. Auch in kritischen Verkehrssituationen, die während der zehnminütigen Fahrt zu bewältigen waren, reagierten die Probanden unterschiedlich.

Mehr Risiko, weniger Rücksicht auf Fußgänger

Bei einer gerade auf Gelb springenden Verkehrsampel drückten die Fahrer beherzter aufs Gaspedal, wenn sie dabei dem anderen Auto folgten. In einer anderen Situation, in der ein Fußgänger in dem Moment den Zebrastreifen von links betrat, als die Fahrer rechts abbiegen sollten, hielt kein einziger an, wenn das vorausfahrende Fahrzeug verfolgt werden sollte. Zum Vergleich: Immerhin 44 Prozent derer, die die Strecke mit dem Navigationsgerät abfuhren, hielten für den Fußgänger an. Ganz allgemein wurden Kurven während des Abbiegens auch deutlich schneller gefahren.

Die Verkehrsexperten vermuteten dahinter den Versuch der Probanden, das andere Fahrzeug nicht aus den Augen zu verlieren. Da der aggressivere Fahrstil aber auch dann auftrat, wenn keine akute Gefahr bestand den Anschluss zum Vordermann zu verlieren, schlussfolgerten sie, dass schon alleine die Angst "auf der Strecke zu bleiben" genüge, einen risikoreicheren Fahrstil an den Tag zu legen.

Das können Sie gegen das unerwünschte Verhalten tun

Aus dem Experiment wird deutlich, dass das Hinterherfahren zu gefährlichen Verkehrssituationen führen kann – ohne, dass Sie als Verfolger eine solche Fahrt überhaupt im Sinn hatten. Der TÜV Nord empfiehlt deshalb, sich gar nicht erst auf eine solche "Verfolgungsfahrt" einzulassen. Sie sollten sich vielmehr einfach die Zieladresse geben lassen und sich mit dem eigenen Tempo auf den Weg machen. Ein Navigationsgerät kann ebenfalls hilfreich sein, denn dann müssen Sie nicht um jeden Preis am Vordermann dran bleiben und können entspannt weiterfahren, wenn kein Risiko mehr besteht.

Weitere Themen
Warum wir beim Hinterherfahren zu Verkehrsrüpeln werden und was dagegen hilft