Falschfahrer sind immer wieder der Grund für schwere Unfälle auf der Autobahn. Was Sie tun sollten, wenn Sie von einem Falschfahrer erfahren oder sogar erleben, wie er Ihnen entgegenfährt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Wenn es ein Albtraum-Szenario eines Autofahrers gibt, dann gehört die Begegnung mit einem Geisterfahrer definitiv dazu. Bei den gefahrenen Geschwindigkeiten auf einer Autobahn kann ein entgegenkommendes Fahrzeug zu extrem gefährlichen Unfällen führen. Wenn Ihnen ein Geisterfahrer entgegenkommt, bleibt kaum mehr genug Zeit nachzudenken. Daher sollten Sie sich bereits mental auf den Ernstfall vorbereiten und diese Tipps als Grundlage nehmen.

Falschfahrer in beiden Richtungen: Zum rechten Fahrbahnrand

Sollten Sie im Radio oder über Ihr Navigationssystem erfahren, dass auf Ihrer Strecke ein Falschfahrer unterwegs ist, gilt es zunächst die Ruhe zu bewahren. Grundsätzlich gilt: Unabhängig davon, in welcher Richtung der Geisterfahrer unterwegs ist ("Falschfahrer in beiden Richtungen"), sollten Sie in jedem Fall achtsam sein. Oft ist in der Hektik nicht sofort klar, auf welcher Seite der Autobahn sich der Falschfahrer befindet. Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit und überholen Sie nicht mehr, orientieren Sie sich am rechten Fahrbahnrand und fahren Sie auf den äußeren rechten Fahrstreifen (nicht auf den Seitenstreifen). Es ist außerdem angebracht, den Warnblinker einzuschalten, so der ADAC.

Halten Sie darüber hinaus genügend Abstand zu den vorausfahrenden Fahrzeugen, um eine gute Übersicht zu haben und keinen Auffahrunfall zu riskieren, wenn der Vordermann plötzlich ein starkes Bremsmanöver einleitet. Noch sicherer ist es, den nächsten Parkplatz oder die nächste Autobahnausfahrt aufzusuchen, und zu warten, bis der Verkehrsfunk Entwarnung gegeben hat. Unabhängig von Ihrer Entscheidung gilt es außerdem, den Seitenstreifen immer im Auge zu behalten. Im Notfall können Sie auf diesen ausweichen.

Geisterfahrer: Es kann jeden treffen

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 80 Unfälle wegen Geisterfahrern registriert. Ein Blick in die Zahlen des ADAC verrät außerdem, dass das Risiko am Wochenende deutlich höher ist: Die auffälligste Häufung von Geisterfahrer-Warnmeldungen findet sich zwischen Samstagabend und dem frühen Sonntagmorgen. Meist handeln Autofahrer, die sich in die falsche Richtung einordnen, mit der festen Überzeugung, auf der korrekten Fahrbahn unterwegs zu sein. Trunkenheit, geistige Verwirrtheit oder Suizidversuche sind das Eine. Das blinde Verlassen auf Navigationssysteme und Orientierungslosigkeit in Verbindung mit einer ruhigen Verkehrslage das Andere. Vor einigen Jahren gab es sogar einen Fall, bei dem zwei Streifenpolizisten nachts auf einer vierspurigen, baulich getrennten Schnellstraße wendeten, im Glauben, sich auf einer einsamen Landstraße zu befinden.

Wenn Sie versehentlich selbst zum Geisterfahrer werden, sollten Sie sofort das Licht und die Warnblinkanlage einschalten und das Fahrzeug so schnell wie möglich an den nächsten Fahrbahnrand steuern. Parken Sie dabei möglichst dicht an der Leitplanke und klettern Sie anschließend über die schützende Fahrbahnbegrenzung. Anschließend rufen Sie die Polizei. Keinesfalls sollten Sie selbst versuchen, auf der Fahrbahn zu wenden.

So stoppt die Polizei Falschfahrer

Bekommt die Autobahnpolizei eine Meldung über einen Falschfahrer, wird der betreffende Fahrbahnabschnitt zunächst voll gesperrt – in beiden Richtungen, da auch die Beamten in der Eile nicht abschätzen können, in welcher Richtung die Gefahr am größten ist. Die Verfolgung des Geisterfahrers findet ausschließlich auf der richtigen Fahrbahnseite statt – über Licht- und Hupsignale versuchen die Polizisten, den Fehlgeleiteten zum Anhalten zu bringen. Im Notfall fährt sich ein Einsatzwagen einen Vorsprung heraus, um weiter vorne einen sogenannten "Stop Stick" (ein Brett mit mehreren hohlen Nägeln) auf der anderen Fahrbahnseite zu platzieren. In den meisten Fällen ist es jedoch der Falschfahrer selbst, der von der Autobahn wieder abfährt.

Die Strafen für Falschfahrer sind übrigens nicht gerade glimpflich: Bis zu 290 Euro kostet das Vergehen. Eine weitere mögliche strafrechtliche Konsequenz bei einer Geisterfahrt ist zudem eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

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