Gestartet ist die Idee vom "Auto-Teilen", schon zum Ende der 1980er Jahre in Berlin. Damals versuchte das noch junge Unternehmen "Stadtauto" einen etwas angejahrten Opel an die fahrende Kundschaft zu bringen, mit Erfolg. Der Kundenstamm wuchs schnell, gerade nach der Wiedervereinigung.

Zum Jahresbeginn 2013 meldete der Bundesverband CarSharing e.V mehr als 450.000 Nutzer von Car-Sharing-Angeboten bundesweit. Inzwischen dürften es weit mehr als eine halbe Millionen sein. Die gemeinsame Benutzung der Autos hat Schule gemacht. Wir erläutern an einem Beispiel, für wen die Sache im Alltag wie funktioniert.

Wer kann Carsharing nutzen?

Spätestens seitdem die großen Autofirmen wie Mercedes (Car2go) und BMW (DriveNow) mit eigenen Diensten in den Markt eingestiegen sind, herrscht an Anbietern kein Mangel mehr. Ganz im Sinne der Kundschaft ist die Konkurrenz groß und die Preise sind niedrig. So manches Startup musste sich aufgrund fehlender Rentabilität schon wieder vom Markt verabschieden. So meldete beispielsweise ZebraMobil in München erst vor wenigen Tagen das Aus an.

Carsharing ist etwas für Großstädter. Wer auf dem Land lebt wird den Dienst nicht nutzen können, denn niemand bietet hier Carsharing an. Selbst die Randgebiete der Städte werden bisher kaum bedient.

Die Wahl des Anbieters

Die Idee, sich ein Fahrzeug zu teilen, ist bei allen Anbietern gleich - danach beginnen die kleinen und großen Unterschiede. Zumindest zwei davon sind für die Nutzung relevant.

Es gibt das Modell, bei dem das Fahrzeug an einem beliebigen Ort in der Stadt angemietet und auch einem beliebigen Ort wieder abgestellt werden kann, solange sich beide Orte in der ausgewiesenen Geschäftszone des Anbieters befindet. Das sind im üblichen Fall die jeweiligen Innenstadt, mit leichten Erweiterungen.

Im zweiten Modell muss der Kunde das Fahrzeug immer dorthin zurückbringen, wo er es auch übernommen hat. Dabei ist zwar kein konkreter Parkplatz vorgeschrieben, wohl aber ein eng begrenztes Gebiet.

Aus diesen beiden Modellen folgen zwei unterschiedliche Arten der Nutzung: Wer das Auto zurückbringen muss, fährt damit vielleicht zum Einkaufen oder zum Ausflug an den Badesee. Wer das Auto an der anderen Seite der Stadt zurücklassen kann, nutzt es schon aus Kostengründen eher Oneway, um zum Termin oder ins Kino zu kommen. Danach geht es vielleicht mit einem anderen, neu angemieteten Wagen weiter.

Der zweite bedeutende Unterschied bei den Modellen ist ein zeitlicher. So ist es bei vielen Carsharing-Anbietern - so auch bei Car2go und bei DriveNow möglich, spontan ein Fahrzeug zu buchen. Wenn ein Wagen im Umkreis verfügbar ist, kann es sofort genutzt werden. Lange Vorreservierungen sind nicht vorgesehen.

Andere Anbieter, meist mit einem festen Stationsnetz wie STATTAUTO koordinieren die Flotte und freuen sich über eine Vorausbuchung, auch Monate im Voraus. Eine spontane Anmietung ist zwar ebenfalls möglich, hängt aber an der Verfügbarkeit, die erst telefonisch angefragt werden muss.

Wie Carsharing tatsächlich funktioniert

Am Beispiel von DriveNow wollen wir die konkrete Nutzung Schritt für Schritt erläutern. Zwar gibt es im Detail viele Unterschiede zu anderen Anbietern, das Prinzip ist jedoch ähnlich.

Ausgangslage

Um den Service zu nutzen, muss man sich zunächst registrieren - also die persönlichen Daten hinterlegen und seine Fahrerlaubnis vorzeigen. Möglich ist dies in den jeweiligen Stationen oder Partnern von DriveNow, zum Beispiel bei den Sixt-Autovermietungen, die den Dienst mit betreiben. Hier erhält man auch den "Schlüssel" zur Fahrzeugflotte. Dies ist ein kleiner Chip, der auf eine Ecke der Fahrerlaubnis geklebt wird. Meist wird bei Anmeldung auch eine einmalige Gebühr fällig, die aber nur wenige Euro beträgt.

Grundwissen

Alle Informationen zu den Tarifen, Nutzungsbedingungen etc. erhält man im Internet oder als Flyer an den Partnerstationen. Da bei der Anmietung viele Sonderfälle beachtet werden müssen - Fahrzeiten, private und dienstliche Fahrten, die über unterschiedliche Konten abgerechnet werden können, Wagenklasse etc. - lohnt es sich, diese Bedingungen gründlich zu lesen und mit denen anderer Anbieter zu vergleichen. Viele Kunden sind auch bei mehreren Carsharing-Anbietern registriert und nutzen ja nach Situation das passende Angebot.

Ein Auto finden

Im Idealfall nutzt man dafür unterwegs eine App oder die Internet-Seite des Anbieters. Smartphone, Laptop oder PC sind also von Vorteil, aber auch telefonisch wäre eine Buchung möglich.

Bei der DriveNow-App werden alle tatsächlich verfügbaren Fahrzeuge im Umkreis angezeigt. Über ein einfaches Antippen erhält man einige relevante Informationen, zum Beispiel zum Fahrzeugtyp. Der Wagen kann jetzt über erneutes Antippen 15 Minuten kostenfrei reserviert werden. Der Weg zum Fahrzeug lässt sich auf dem Smartphone verfolgen. Hat man das Parkgebiet erreicht, kann man per App kurz die Warnblinkanlage aktivieren, um den Wagen leichter zu finden.

Das Auto übernehmen

Bei DriveNow wird der kleine Chip auf dem Führerschein an einen Empfänger an der Frontscheibe des Carsharing-Autos gehalten - die Türen öffnen sich, der Wagen ist startklar und die Zeit läuft. Derzeit kostet dies bei DriveNow zehn Cent pro Minute im Stand (in den Nachtstunden von 0.01 bis 6 Uhr am Montag bis Freitag ist das Parken kostenfrei) und je nach Tarif circa 30 Cent pro Minute bei der Fahrt. Weitere Kosten entstehen nicht, weder für Treibstoff, noch für Parkgebühren, zumindest auf den städtischen Parkplätzen im jeweiligen Geschäftsgebiet. Wer auf längeren Strecken doch tanken muss, findet im Fahrzeug eine Tankkarte.

Losfahren

Vor dem Losfahren muss man am Touchpad im Fahrzeug eine zuvor festgelegte persönliche PIN eingeben, die Sauberkeit im Fahrzeug bewerten und bestätigen, dass keine Schäden vorliegen. Jetzt kann auch zwischen privater und dienstlicher Fahrt gewählt werden, so diese Option im persönlichen Profil hinterlegt ist. Das alles dauert eine oder zwei Minuten - dann kann's losgehen.

Zwischenstopp

Wer nur kurz stoppt, um eine Besorgung zu machen, kann das Fahrzeug im Parkmodus behalten (für 10 Cent die Minute). So besteht nicht die Gefahr, dass ein anderer Nutzer weiterfährt. Man kann die Fahrt aber auch beenden und es dann, so noch vor Ort, neu anmieten. Anderenfalls sucht man sich einfach per App einen anderen Wagen in der Nähe.

Das Ende der Fahrt

Nachdem man bestätigt hat, dass die Fahrt enden soll, schließt man Türen und Fenster und verriegelt das Fahrzeug per Chip an der Frontscheibe wieder ab. Die Rechnung kommt per Mail und ist nach einem Login online abrufbar.

Die Fahrt kann nur im Geschäftsgebiet beendet werden. Parkt man außerhalb, läuft die Uhr weiter und es fallen die entsprechenden Gebühren an. Innerhalb des Geschäftsgebiets muss das Auto am Ende der Tour in einer ordentlichen Parklücke ohne zeitliche Beschränkung abgestellt werden.

Beispielrechnung

Der Nutzer befindet sich in der Stadt, wohnt jedoch etwas außerhalb, also nicht mehr im Geschäftsgebiet von DriveNow. Es ist Mittwoch, 23 Uhr. Der Nutzer sucht sich ein Fahrzeug und fährt damit 22 Kilometer nach Hause. Dort trifft er um 23:30 Uhr ein. Am nächsten Morgen um 7 Uhr fährt er wieder zur sechs Kilometer entfernten Arbeitsstelle, innerhalb des DriveNow-Geschäftsgebietes, die er um 7.20 Uhr erreicht. Für alle Fahrten nutzt er einen 1er-BMW.

Kosten

30 Minuten Fahrt nach Hause = 30 x 0,31 Cent = 9,30 Euro

Parkzeit von 23:30 bis 0:01 Uhr = 31 x 10 Cent = 3,10 Euro

Die Parkzeit bis 6 Uhr ist kostenfrei.

Parkzeit von 6 bis 7 Uhr: 60 x 10 Cent = 6 Euro

Fahrzeit zur Arbeit = 20 x 0,31 Cent = 6,20 Euro

Die gesamte Strecke kostet somit 24,60 Euro. Mit einem Taxi wären es rund 60 Euro gewesen, mit der Bahn knapp drei. Für das eigene Auto ist der Vergleich für die einfache Fahrt schwierig. Grundsätzlich gilt jedoch: Wenigfahrer fahren mit Carsharing günstiger.

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