Autofahrer sollen sich mehr an den Kosten für die Instandhaltung von Straßen beteiligen. Das hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig jüngst im Interview mit "Die Welt" gefordert. Für diesen Vorstoß erntete er prompt von vielen Seiten Kritik - schließlich sind die Autofahrer hierzulande ohnehin schon hohen finanziellen Belastungen ausgesetzt. Doch welche zusätzlichen Kosten fallen überhaupt an? Eine Übersicht mitsamt Beispielrechnungen.

Eines hat Torsten Albig mit der Forderung nach einer Sonderabgabe für Autofahrer erreicht: Es gibt eine große Diskussion um den sogenannten Schlagloch-Soli von 100 Euro. Diese ist allerdings recht einseitig. Eindeutiger Tenor der Politik: Autofahrer werden in Deutschland schon genug belastet. Stimmt das? Wir haben einmal nachgerechnet.

Kfz-Steuer

Für jedes in Deutschland zugelassene Auto muss der Halter eine Kfz-Steuer zahlen. Ausnahmen sind reine Elektrofahrzeuge, die für fünf beziehungsweise zehn Jahre von der Steuer befreit sind. Auch behinderte Menschen mit entsprechendem Ausweis müssen keine Kfz-Steuer für ihr Auto aufbringen. Im Jahr 2012 nahm der Staat laut ADAC fast 8,5 Milliarden Euro aus der Kfz-Steuer ein. Für Autos bemisst sich die Höhe der Kfz-Steuer nach dem Hubraum und seit 2009 auch nach dem CO2-Ausstoß.

Doch wie hoch ist die Steuer derzeit für verschiedene Fahrzeugklassen? Der Kleinwagen Opel Corsa 1.2 ecoFlex etwa kostet 54 Euro Steuern im Jahr. Für den kompakten VW Golf mit 1.4 TSI sind 48 Euro fällig. Besitzer des SUVs VW Tiguan 2.0 TSI zahlen 220 Euro Steuern. Die Kosten für die Oberklasse Mercedes S500 belaufen sich auf 300 Euro und die für einen Porsche 911 Carrera 4 auf 288 Euro. Die Rechnungen beziehen sich auf Neuwagen, die beispielhaft am 1. August 2012 zugelassen worden sind.

Steuern auf Kraftstoff

Ein weitaus größerer Posten im Bundeshaushalt 2012 war die Mineralölsteuer. 32,8 Milliarden Euro spülte sie in die Staatskasse. Allerdings wird sie nicht nur für Autofahrer fällig, sondern auch für Lkw, Eisenbahnen und die Allgemeine Luftfahrt (nicht der Linien- und Charterverkehr). Mit ihr sollen eigentlich die Kosten für den Ausbau und die Erhaltung des Straßennetzes gedeckt werden.

Die Mineralölsteuer wird für Benzin und Diesel fällig. Sie wird nicht prozentual erhoben, sondern ist festgelegt. Aktuell lastet auf jedem Liter Benzin eine Mineralölsteuer von 65,45 Cent und auf jedem Liter Diesel eine Steuer von 47,04 Cent. Außerdem wird auch für Kraftstoffe die Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig - allerdings auf den kompletten Produktpreis, also inklusive Mineralölsteuer. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung zum Preis von 1,50 Euro je Liter Super E10 besteht der Gesamtrechnungsbetrag von 75 Euro zu etwa 60 Prozent aus Steuern. 32,98 Euro fallen für die Mineralölsteuer an, 11,97 Euro für die Mehrwertsteuer. Das ergibt einen Gesamtsteuerbetrag von 44,95 Euro.

Versicherungen

Jedes Auto, das sich auf deutschen Straßen bewegt, muss eine Haftpflichtversicherung haben. Dadurch wird der Fahrer im Schadensfall vor Kosten geschützt. Neben der reinen Haftpflichtversicherung können für Fahrzeuge auch noch Kaskoversicherungen abgeschlossen werden, die Schäden am eigenen Auto abdecken. Die Versicherungsbeiträge berechnen sich nach der Fahrzeuggröße, der Leistung, dem Alter, der jährlich gefahrenen Kilometer und weiteren Faktoren.

Im Folgenden Beispielrechnungen für die bereits oben genannten Fahrzeuge. Für den Corsa 1.2 ecoFlex kostet die Haftpflichtversicherung inklusive Teilkasko 710 Euro im Jahr. Für den Golf 1.4 TSI ist der gleiche Schutz für 730 Euro erhältlich, während für den Tiguan 880 Euro aufgewendet werden müssen. Die Mercedes S-Klasse kostet inklusive Vollkasko-Versicherung 2.300 Euro im Jahr. Dieser Schutz ist für den Porsche 911 Carrera 4 für 1.800 Euro erhältlich. Die Kosten sind Durchschnittswerte und können individuell abweichen.

Maut

Eine Maut wird für die Benutzung von Straßen erhoben. In Deutschland ist das Befahren von Autobahnen nur für Lkw kostenpflichtig. Für Pkw gibt es keine bislang keine Maut. Ein solche soll 2015 eingeführt werden - allerdings nur für Ausländer, ohne dass die Deutschen zusätzlich finanziell belastet werden.

Lediglich für die beiden privat finanzierten Projekte Warnowtunnel in Rostock (3,20 Euro je Pkw) und Herrentunnel in Lübeck (1,50 Euro) entstehen Kosten.

In Nachbarländern gibt es dagegen bereits seit mehreren Jahren Mautgebühren für Pkw. In Österreich ist das Fahren auf Autobahnen kostenpflichtig. Eine Zehn-Tages-Vignette für Pkw ist für 8,50 Euro erhältlich. In Italien richtet sich die Nutzungsgebühr nach Streckenlänge und dem Aufwand, der für die Unterhaltung der Straße fällig ist. Für mehre 100 Kilometer sind dann schnell 30 bis 40 Euro fällig. Auch in Frankreich wird die Maut nach gefahrenen Kilometern abgerechnet. Die Kosten liegen zwischen sechs und mehr als 20 Euro pro 100 Kilometer.

Umweltzonen

Mit den europaweiten Grenzwerten für Feinstaub wurden auch in Deutschland Umweltzonen eingerichtet. Mittlerweile dürfen in 48 Gebieten der Bundesrepublik Fahrzeuge nur mit der sogenannten Umweltplakette fahren. Die Plakette selbst ist für fünf bis zwölf Euro erhältlich, manche Werkstätten und Händler geben sie an ihre Kunden auch kostenlos aus. Allerdings ist bei älteren Dieselfahrzeugen die Nachrüstung eines Rußpartikelfilters nötig. Diese kostet etwa 1.100 Euro.

Fazit

In Deutschland müssen Autofahrer tatsächlich schon viel Geld für den Unterhalt ihres Fahrzeuges aufwenden. Auch wenn die Benutzung der Straßen im Vergleich zu anderen Ländern auf den ersten Blick günstig erscheint. Bei der Mineralölsteuer liegt Deutschland auf Platz fünf (Diesel) und Platz sechs der EU-Länder und jeweils über dem Durchschnitt in der Europäischen Union (41,7 Cent für Diesel, 53,2 Cent für Benzin). Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass der Vorschlag für eine weitere Sonderbelastung für Autofahrer auf wenig Gegenliebe stößt.

Weiterhin beläuft sich Summe, die Autofahrer laut ADAC jährlich in die Staatskasse spülen, auf 53 Milliarden Euro. Wie der Automobilclub erklärt, werden davon aber nur 19 Milliarden für den Erhalt und Neubau des Straßennetzes ausgegeben. Mit dem Rest werden andere Projekte des Bundes finanziert, die nicht unbedingt mit dem Straßenverkehr zu tun haben müssen.

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