Glaubt man einigen Branchenexperten, dann könnte der Elektro-Thron von Tesla in den kommenden Jahren gewaltig wackeln. Autohersteller und Politiker wollen den Markt für Elektroautos bis 2020 kräftig umkrempeln.

Im Rahmen der IAA hat Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, angekündigt, dass die Niedersachsen bis 2020 rund 20 neue Elektro- und Plug-in-Hybrid-Modelle auf den Markt bringen wollen. Damit setzt das Unternehmen ein klares Zeichen: Der Elektroantrieb ist der Antrieb der Zukunft. Mit dem neuen Audi e-tron quattro concept und dem Porsche Mission E wolle man in naher Zukunft die Industrie für Elektro-Fahrzeuge sogar völlig umkrempeln. VW selbst treibt derzeit die GTE-Antriebe (Plug-in-Hybrid) in nahezu allen VW-Klassen (Golf, Passat, Phaeton) voran.

Tesla-Killer von Audi und Porsche?

Während die ersten Medien die neue Audi-Studie e-tron quattro concept bereits als Tesla-Killer bezeichnen, muss realistisch gesehen die Kirche vorerst im Dorf gelassen werden. Zwar hat Audi bereits angekündigt, dass das Konzept ein seriennaher Vorbote auf ein neues Elektro-SUV (Q6) ist, tatsächlich werden sich Kunden aber bis zur Serienreife noch bis 2018 gedulden müssen. Erst dann könnte das erste Elektro-SUV aus Ingolstadt zu den Händlern rollen und mit einer Reichweite von über 500 Kilometern für Furore sorgen.

Derzeit bietet Audi lediglich den Plug-in-Hybrid Audi A3 Sportback e-tron. Mit einer rein elektrischen Reichweite von rund 50 Kilometern bewegt sich der sparsame A3 auf dem üblichen Niveau, das auch die Konkurrenz bietet. Bereits angekündigt, aber noch nicht in die Realität umgesetzt, wurde außerdem der Audi R8 e-tron, der über einen reinen Elektroantrieb mit 340 kW und einer Reichweite von bis zu 450 Kilometern verfügen soll.

Super-Elektrosportwagen aus Zuffenhausen

Die Studie Porsche Mission E soll das Audi e-tron quattro concept sogar noch deutlich übertreffen. Über 600 PS, eine Beschleunigung von 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von über 250 Stundenkilometern und dennoch eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern – klingt fantastisch. Möglich soll das ganze durch weiterentwickelte kinetische Energierückgewinnungssysteme und stärkere Batterien werden. Hinzu kommt, dass die neuen Super-Elektroautos nicht mehr wie bisher mit 400 Volt, sondern mit bis zu 800 Volt in Rekordzeit aufgeladen werden sollen – eine Schnellladefunktion inklusive.

Aber nicht nur bei Porsche liegen neue Elektropläne in den Schubladen. Auch in Stuttgart bei Mercedes ist ein rein elektrisch angetriebenes Serienfahrzeug nicht mehr allzu fern. Gegenüber "auto motor und sport" bestätigte Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber, dass derzeit an einem Elektro-Serienfahrzeug gearbeitet werde, das zwischen 400 und 500 Kilometer Reichweite bieten soll. Derzeit setzt der Konzern ebenfalls vor allem auf Plug-in-Hybrid-Modelle.

Tesla ist (noch) unangreifbar

Tesla ist und bleibt bei Elektro-Serienfahrzeugen auch vorerst der unangefochtene Klassenprimus. Während das Tesla Model S (seit 2012) sich inzwischen in der oberen Mittelklasse einen festen Stammplatz ergattert hat, steht mit dem Elektro-SUV Model X bereits das zweite rein elektronisch angetriebene Fahrzeug des Unternehmens in den Startlöchern. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Modelle ausgeliefert werden. Doch damit nicht genug: Bereits in zwei Jahren folgt mit dem kleineren Tesla Model 3 erstmals auch eine E-Limousine im Kompakt-Segment für den etwas kleineren Geldbeutel.

Auf Tesla abgesehen hat es auch BMW. Mit dem i3 und dem i8 haben die Münchener bereits ein Elektroauto und einen übermäßig sportlichen Plug-in-Hybriden auf dem Markt etabliert, auch wenn der i3 mit einem Einstiegspreis von rund 35.000 Euro nach wie vor vergleichsweise teuer ist und der i8 ein Nischendasein im Sportwagensegment fristet. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat BMW-Chef Harald Krüger jedoch angekündigt, dass auch ein BMW i5, also eine Elektro-Variante des 5ers in der oberen Mittelklasse in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen sei. Damit würde BMW direkt das Tesla Model S ins Visier nehmen. Plug-in-Hybridvarianten stehen außerdem künftig für den 2er Active Tourer, den 3er und den 7er zur Verfügung.

Eine Frage der Verfügbarkeit

Der tatsächliche Erfolg der kommenden Elektroautos steht und fällt allerdings mit der Politik und dem damit verbundenen Ausbau des Stromtankstellennetzes. Ursprünglich hatte die Bundesregierung geplant, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen zu lassen. Derzeit sind in Deutschland aber lediglich rund 130.000 Elektro- und Hybridfahrzeuge zugelassen.

Um dieses überaus ehrgeizige Ziel zumindest noch annähernd zu erreichen, sollen bis 2017 in Rekordzeit 400 neue Schnellladetankstellen für Stromer entstehen. An der Autobahnraststätte Köschinger Forst, an der A9 in Bayern, hat hierzu jetzt die erste dieser 400 geplanten Tankstellen eröffnet. Erklärtes Ziel ist es, dass annähernd alle 30 Kilometer auf deutschen Autobahnen eine Zapfsäule für Elektroautos zur Verfügung steht.

Weitere Themen
Hoffnung für den Elektro-Markt: Das tut sich bei Reichweite und Zukunftsplänen