In Stuttgart gilt seit gestern Feinstaub-Alarm. Pendler und Bewohner sind dazu aufgerufen, das Auto stehen zu lassen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen. Aber was bringt der Verzicht aufs Auto wirklich und wer hält sich an die Bitte?

Stuttgart hat am Montag als erste deutsche Stadt einen Feinstaub-Alarm ausgerufen, der voraussichtlich noch bis einschließlich Donnerstag gelten soll. Die ungünstige Wetterlage hat im Stuttgarter Talkessel dafür gesorgt, dass der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten wurde. Umweltexperten vergleichen die schlechte Luftqualität sogar schon mit Metropolen wie Peking. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat die Autofahrer deshalb dazu angehalten, ihre Fahrzeuge stehen zu lassen und auf Bus und Bahn oder das Fahrrad umzusteigen. Verpflichtend ist die Maßnahme aber nicht.

Wann ist das Feinstaub-Risiko am größten?

Tatsächlich fällt ein Großteil der Feinstaub-Belastung auf den Autoverkehr zurück. Besonders betroffen sind davon die Morgen- und Abendstunden, in denen sich Tausende Pendler mit ihren Autos über die Straßen drängeln. An bestimmten Verkehrsknotenpunkten werden deshalb regelmäßig die zugelassenen Grenzwerte überschritten. Auch Dieselmotoren tragen erheblich zu einer Erhöhung des Feinstaub-Wertes bei.

Neben den Autos führen aber auch sogenannte Komfort-Kamine, Holzöfen und andere Heizquellen zu einer erheblichen Feinstaub-Belastung. Auch Besitzer dieser Anlagen werden in Stuttgart derzeit gebeten, die Heizsysteme abzustellen.

Freiwilliger Verzicht gilt als unrealistisch

Umweltexperten sind sich unterdessen einig, dass ein freiwilliges "Fahrverbot" zu keiner wirklichen Verbesserung der Situation führen könne. Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz fordert deshalb stellvertretend für andere Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen im Interview mit "Deutschlandradio Kultur" die Einführung von offiziellen Fahrverboten und der blauen Umweltplakette für besonders umweltfreundliche Autos. Auch Verkehrsexperten aus der EU drängen deutsche Kommunen zum Handeln.

Andere Länder und Städte, wie beispielsweise in Italien, sind hier schon einen Schritt weiter und haben die Dringlichkeit des Handelns erkannt. Kompromisslose Fahrverbote sind keine Seltenheit mehr.

Nach der Bitte kommt die Pflicht

Vergleicht man das Verkehrsaufkommen in Stuttgart vor und während des Feinstaub-Alarms fällt kaum ein Unterschied auf. Laut "Deutschlandfunk" will Stuttgart noch zwei Jahre lang testen, ob die Autofahrer bereit sind, in solchen Fällen freiwillig auf das Auto zu verzichten. Ist das nicht der Fall, soll ab 2018 ein Fahrverbot bei Feinstaub-Alarm eingeführt werden. Dann dürften nur noch Fahrzeuge mit Sondergenehmigung im Zeitraum, bis der Feinstaub-Wert wieder gesunken ist, die Straßen befahren. Umweltverbände und Bürgerinitiativen in Stuttgart fordern diese Maßnahme bereits jetzt.

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