Es sei schlicht nicht erreichbar: Bundeskanzlerin Angela Merkel streicht das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Damit spricht sie aus, was viele Autofahrer beim Beobachten des Straßenverkehrs ohnehin schon ahnten: Das E-Auto will derzeit einfach kaum jemand haben. Dabei fing alles so vielversprechend an – ein Rückblick.

War es zu ambitioniert oder hat man in der Regierung einfach nicht hart genug dafür gearbeitet? Das ehemalige Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen zu sehen, ist jetzt auch von höchster Ebene aus als gescheitert bezeichnet worden: Angela Merkel sagte am Montag auf einem Arbeitnehmerkongress der Unionsfraktion, dass sie das Vorhaben nach derzeitigem Erkenntnisstand als nicht erreichbar ansehe. Sie fügte allerdings hinzu, dass sie eine exponentielle Verbreitung der Technik jederzeit für möglich halte, bei Entwicklungen wie dem Smartphone hätte man das ja schon einmal erleben können. Aber warum rudert die Bundeskanzlerin jetzt zurück?

Das Ziel von Angela Merkel ist schon lange ein Streitthema

2011 ist das ambitionierte Anliegen das erste Mal von der damaligen Regierung zwischen CDU und FDP ausgesprochen worden. Ziel der Bundesregierung war also bereits seit dieser Zeit, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Auch auf der Konferenz "Elektromobilität bewegt weltweit", die im Jahr 2013 stattfand, äußerte sich die Bundeskanzlerin noch sehr zuversichtlich. Zu diesem Zeitpunkt sieht man sogar von Kaufprämien ab, das Vorhaben sei auch ohne Anreize erreichbar. Sogar der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann war überzeugt: In den Jahren 2015, 2016 und 2017 werde der Markt richtig "hochlaufen" sagte er damals während der Konferenz gegenüber der "FAZ".

Schon zu dieser Zeit gab es allerdings auch viele kritische Stimmen. So äußerte sich etwa Ferdinand Dudenhöffer skeptisch gegenüber den Plänen der Regierung und bezeichnete sie als kleinteilig und wirkungslos. Es fehle an einer guten Ladeinfrastruktur und der alltagstauglichen Reichweite der Elektromobile. Hinzu komme der höhere Anschaffungspreis, der viele potenzielle Kunden abschrecke. Ähnliche Ansichten teilten in den darauffolgenden Jahren immer mehr Autoexperten und Politiker. Im Januar 2017 äußerte sich der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel besonders bissig zum Ziel der Regierung: Wenn man nicht noch Elektrofahrräder hinzuzählte, würde man deutschlandweit nicht einmal auf die Hälfte kommen.

Hält die Regierung die schützende Hand über die Autoindustrie?

Denn auch der 2016 eingeführte Umweltbonus, auch Elektroprämie genannt, brachte keinen nennenswerten Erfolg. Nicht einmal die bis zu 4.000 Euro Preisminderung beim Kauf eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs konnte Käufer von der Technik überzeugen. Einen Monat nach der Einführung der Prämie sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lediglich 1.791 Anträge eingegangen. Und auch bis heute sind es entschieden zu wenig, um das Ziel doch noch zu erreichen: Bis Ende April 2017 wurden in Deutschland insgesamt nur 17.937 Anträge auf den Kaufanreiz gestellt.

Nachdem die Bundeskanzlerin das Vorhaben nun selbst von der Agenda gestrichen hat, werden Stimmen aus der Opposition laut, die der Regierung vorwerfen, die Autoindustrie und alte Technik wie den Diesel, zu schützen. Die Grünen sehen im Eingeständnis von Kanzlerin Angela Merkel ein Totalversagen und bezeichnen das Aufgeben als klima- und industriepolitische Bankrotterklärung. Wie weit Deutschland von der Millionenmarke bei Elektroautos noch entfernt ist, beantwortet der Blick in die Zulassungsstatistiken: Aktuell sind nur rund 80.000 E-Mobile und Plug-in-Hybride in Deutschland zugelassen.

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